Miranda und der Milchmann

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Miranda und der Milchmann

Miranda und der Milchmann

Peter Hu

Ihr sündig rotes Himmelbett, stellte natürlich die absolute Steigerung dar. Er ahnte nicht, dass ihr haargenau die gleichen Gedanken durch den Kopf rasten (natürlich ahnte er es, schließlich spielte sie während des Gespräches ganz geistesabwesend mit ihrer rechten Himbeere. Die freie Hand kraulte ganz unbefangen über die zarte Innenseite des verführerisch angewinkelten Schenkels). Während er noch nachsann, schritt Miranda bereits zur Tat. Sie griff zum halbvollen Milchshakeglas, hob es zum Mund, …trank einen viel zu großen Schluck, …zielte, …berechnete die Flugbahn, …saugte den Eiswürfel ein, …verschluckte sich vorgeblich daran, …hustete, …verdrehte kunstreich die Augen, …und schoss ihm das kalte Projektil genau in den Ausschnitt seiner lässig aufgeknöpften Milchmannuniform…
Treffer…;mitten ins animalische Brustfell des sehnigen Athleten. Der Milchmann taumelte, …versuchte sich abzufangen, …verfehlte ihre hilfreich dargebotene Hand, und klatschte rittlings in den Pool. Miranda sprang sogleich hinterher. Sie hatte schließlich den Rettungsschwimmer (immerhin trug sie einen blutroten Tangaslip mit aufgesticktem Seepferdchen). Sie war fest entschlossen, den kunstreich erlegten Bären zu retten. Der paddelte wild, und in gespielter Panik. Doch als sie ihn im körpernahen Rettungsgriff hatte, beruhigte er sich schnell. Plötzlich konnte er sogar schwimmen.
„Welch ein dummes Missgeschick“, gurrte die nasse Blonde. „Sie hätten einen Herzschlag kriegen können. Sie müssen unbedingt aus den nassen Sachen, sonst gehen sie mir noch unter“(überflüssig zu erwähnen, dass der große Mann hier lässig stehen konnte). Schon knöpfte die Nixe hektisch an seiner gedunsenen Uniform…
Es folgte heftiges Reiben und Knutschen. Bald schloss sich eine gierige Schenkelzange um des Mannes Mitte. „Halt, …halt“, …rief dieser mit rotem Kopf, und ausgefahrenem Seerohr. „Wir kennen uns doch noch gar nicht so lange. Ich bin zwar spitz, hab aber noch kein Gummi auf der Stange…“
„Keine Angst, ohne hätte ich ihn auch nicht verschlungen“, lachte Miranda gut gelaunt, und zog ihren erbeuteten Hecht an Land. „Aber wenn du mir bitte ins Schlafzimmer folgen möchtest? Da hab ich ein feuerrotes Himmelbett, und einige Köcher unterm Kissen.“
Zu diesen Worten rieb ihn die Blonde derart kunstreich mit dem Handtuch trocken, dass man es anschließend an seinem Fockmast aufhängen konnte.

…Dezent glitt das Rollo herunter, damit sich keine Kraniche durchs Fenster stehlen konnten.
Zwei heiße Leiber sanken in kühle Seide. Zwei heiße Himbeeren gruben sich in weiches Fell. Zwei kribbelnde Schenkel öffneten ihre einladende Schere, und eine stattliche Muräne fand ihren Weg in eine willkommen feuchte Höhle. Ein Ornithologe senkte verträumt sein Glas, als die euphorischen Schreie der Kraniche ertönten.

Nein, natürlich heirateten Miranda und der Milchmann nicht. Zu viel Happy End ist schließlich albern. Außerdem: Sie waren beide noch jung, und mussten noch viele Erfahrungen sammeln. Der Milchmann war begeisterter Swinger. Doch den ganzen Sommer über, kam die Milch in der Vorstadt etwas zu spät vor die Tür.
Ein kleines Happy End jedoch, sollte sich der Romantik wegen für den ewigen Junggesellen anbahnen. Des Vogelkundlers Chance kam im Herbst. Denn Miranda war kein Kind von Traurigkeit, und dieser Nachbar sah gar nicht schlecht aus, wenn er die dicke Brille abnahm. Sie verführte ihn beim Laubkehren. Doch das ist eine andere Geschichte…

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