“ Sie gibt mir den Schlüssel für den Spind und das Bändchen zur Erkennung für die Ladies, einen Gutschein für ein Glas Champagner („weil wir Frauen uns viel öfter was gönnen sollten“) und wünscht mir viel Spaß. Ich bedanke mich höflich und mache mich auf den Weg zu den Umkleiden.
Der Schweiß läuft mir wegen der dicken Klamotten bereits die Stirn runter, ich habe Angst, dass das mein Kajal-Tattoo verwischen könnte. Auf dem Weg zu den Spinden komme ich an den Toiletten vorbei und biege kurzerhand dorthin ab. In der größeren, offenen Umkleide hätte ich mich nicht „verwandeln“ können, viel zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass plötzlich einer der regulären Gäste Zeuge meiner Travestieshow geworden wäre.
Als ich die Tür öffne, erkenne ich, dass ich im Männerklo gelandet bin. Sofort suche ich eine freie Kabine auf und schließe mich ein. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Bisher lief alles nach Plan. Flugs ziehe ich die viel zu warmen Sachen aus und starte meine Verwandlung. Es dauert nicht lange und ich bin Nadja. Den Toni-Kram verstaue ich im Rucksack. Ab jetzt heiße ich Nadja Wonder. Das klingt wie ein Pornostar, ich weiß, aber bestimmt ist das besser für meine Tarnung, als würde ich mich Monika Schulze oder Eva-Maria Hoppenstedt nennen. Und ab jetzt bin ich nackt! Denn die Mädels im Club tragen höchstens High Heels oder ein Kettchen um die Hüfte, aber sie zeigen den Herren alles, was sie zu bieten haben. Ich muss zugeben, dass mich das total anmacht. Hätte nie gedacht, dass in mir eine kleine Exhibitionistin schlummert, aber meine Mumu meldet sich ganz deutlich und gibt mir zu verstehen, dass sie an der Situation zunehmend Gefallen findet.
Ich öffne die Tür nach draußen, vorsichtig, erst nur einen Spalt breit. Niemand da.
Mission Impossible
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