Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 2

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Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 2

Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 2

Gero Hard

„In den Tierpark? Da war ich ewig nicht.“, frage ich erstaunt nach.

„Umso besser. Die Wege sind schön ausgebaut, das Wetter ist herrlich. Also raus an die frische Luft.“

An ihre bestimmende Art werde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen. Im Moment ist es zugegebenermaßen etwas nervig. Aber immer noch besser, als das ganze Wochenende hier allein zu sitzen und Trübsal zu blasen.

„Auch ein Eis?“, fragt mich Svea, als sie mich ruhig zwischen den Tiergehegen hindurch schiebt.

„Hhhmm…“, brumme ich zurück.

„Sorry, wollte nicht stören.“ zickt sie zurück, lässt mich wortlos stehen, um uns am Kiosk ein Eis zu kaufen. Dann schiebt sie mich wortlos weiter. Bei der nächsten Parkbank setzt sie sich vor meinen Rolli.

„Finn, ich sollte gleich zu Anfang was klarstellen. Bei mir kommt keine Langeweile auf. Ich werde dich fordern und fördern. Ich möchte, dass du aus dir herauskommst. Auch mal über deinen Schatten springst oder etwas tust, worauf du gerade nicht so Bock hast. Und wenn du dich ein wenig darauf einlassen kannst, dich auf mich einlassen kannst, dann verspreche ich dir für dich da zu sein. Vielleicht auch über die vereinbarten 40 Stunden hinaus. Dann werden wir eine schöne Zeit haben, davon bin ich überzeugt. Hast du das verstanden?“, blickt sie mir streng in die Augen.

„Es tut mir leid, ich bin nicht so gesprächig. Alles ist so ungewohnt. Fips, mit dem mich mittlerweile eine Art Freundschaft verbindet, wird studieren und weg sein. Meine neue Betreuung ist eine Frau, der Tierpark, deine bestimmende Art. Bitte gib mir etwas Zeit, ich meine es nicht böse.“ 

Das ich stark depressiv und suizidgefährdet bin, verschweige ich ihr, genau wie ich es Fips nie erzählt habe.

Am späten Nachmittag sind wir wieder bei mir im Haus. Ich muss dringend auf die Toilette und das sage ich Svea auch, die mich sofort ins Bad schiebt, mir dort die Hose auszieht und mich auf die Toilette hebt.

„Ruf mich, wenn du fertig bist, ok? Und mach dir nicht so’n Kopf, all das hier ist natürlich und menschlich.“

Wie ein Säugling komme ich mir vor, als sie mir mit Feuchttüchern den Hintern abputzt, während ich mich mit den Armen nach oben drücke. Eine erniedrigende Position muss ich einnehmen, damit sie ihren Job machen kann. Ob ich mich daran gewöhnen werde? Habe ich eine Alternative?

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