„Komm, wir haben heute noch einiges vor.“, holt sie mich aus meinen Gedanken zurück und hilft mir nach dem Abtrocknen in den Rolli. Als sie mir die Hose anzieht, kommt sie mit ihrem Gesicht meinem ganz nahe. Wie so schon oft. Doch noch nie habe ich ihren Duft so intensiv in mich aufgesogen! Ihr so tief in die Augen gesehen! Und ihre zart geschwungenen Lippen wahrgenommen! Für sie völlig unerwartet beuge ich mich vor und küsse sie kurz auf den Mund. Jetzt ist sie es, die mich überrascht ansieht. Ich rechne mit einer Ohrfeige vom Allerfeinsten, zumindest mit einer ordentlichen Standpauke. Doch nichts passiert. Sie sieht mich einfach an, lächelt lieb und zieht mir die Hose fertig an. Mit einem „Bis gleich in der Küche“ lässt sie mich mit meinen Gedanken im Bad allein. Was war das denn? Heute Morgen ist so anders als sonst.
„Fee, ich möchte das du mir zeigst, wo und wie du wohnst, geht das?“
„Wie hast du mich gerade genannt?“, sieht sie mich zum zweiten Mal an diesem Morgen überrascht an.
„Fee, wieso?“
„Bedeutet das, du möchtest mit mir befreundet sein? Weil nur meine Freunde mich so nennen.“
„Wenn ich darf, würde ich das gern sein, ein Freund. Ich möchte dich besser kennenlernen. Wissen wo und wie du lebst. Vielleicht darf ich auch mal den einen oder anderen deiner Freunde kennenlernen, wenn das für dich ok ist.“
Eine Weile sagt sie nichts. Nur ihre Augen versuchen in meinen zu lesen. So als würde in meiner Iris ein Text laufen, ähnlich wie bei einem Monitor. „Wenn du das wirklich willst, dann zeige ich dir gern mein kleines Nest. Damit fangen wir an. Was sich dann ergibt, wird sich zeigen, ok?“
„Klingt gut.“, zeige ihr den ‚Daumen hoch‘. Dann frühstücken wir. Das ist schon fester Bestandteil unseres Tagesablaufs geworden. „Kannst du nochmal sagen, wie du mich vorhin genannt hast?“
„Fee.“, antworte ich.
„Das klingt schön, wenn du das sagst und wie du es sagst. Ich würde mich freuen, wenn du mich öfter so nennen würdest.“
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.