Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 6

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Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 6

Mit dem Rolli ins Glück - Kapitel 6

Gero Hard

Bei einer frischen Tasse Kaffee sitzen wir zusammen in der Küche. Die Drei haben sich Jahre nicht gesehen, nur selten telefoniert. Da gibt es viel zu erzählen. Ein paar Stunden werden nicht reichen, befürchte ich. Aber so schnell wollen wir auch noch nicht wieder zurück.

„Kommen Sie“, sagt Lars, „ich zeige Ihnen das Grundstück, während die Frauen das Mittagessen zubereiten.“ Er schiebt mich in den Garten, der pflegeleicht und hübsch angelegt ist. Die Farben des Frühlings verblassen langsam und verwandeln sich, um den Sommer mit neuer Schönheit zu empfangen. Während wir auf dem Steg angelangt sind, der bestimmt 10 Meter in den See hineinragt, zieht Lars die Handbremse vom Rolli an. Er hockt sich neben mich. Es entwickelt sich ein sehr angenehmes persönliches Gespräch.

Aufmerksam hört er mir zu, wenn ich geduldig seine Fragen nach meinem bisherigen Lebenslauf, dem Unfall und den Heilungschancen beantworte. Ich spüre keine Abneigung wegen meiner Behinderung. Eher das Gegenteil ist der Fall. Lars vermittelt mir, dass er Mitleid hat, Anteil nimmt und sich betroffen zeigt. Die Blicke der Mutter vorhin bei meinem Auto drückten Ähnliches aus. Ich kann sehen, wie es in Lars‘ Kopf arbeitet, ihm irgendwas auf der Zunge brennt.

„Na Lars, was möchten Sie wissen?“ Wie ein kleiner Junge, der beim Klauen ertappt wurde, sieht mich Lars an.

„Woher… na ja... es ist Svea. Wie ihr euch kennengelernt habt, weiß ich. Kennen Sie ihre Geschichte?“

„Ja, sie hat mir davon erzählt. Aber ich weiß nicht, ob es die ganze Wahrheit war. Manchmal denke ich, da gibt es noch ein Geheimnis.“

„Mögen Sie sie?“, fragt er mich sehr direkt. Darauf war ich nicht gefasst und ehrlich gesagt, hatte ich mir bis eben noch keine Gedanken dazu gemacht.

„Sie ist ein wundervoller Mensch, finde ich. Sie ist emphatisch, aufmerksam, klug und sie sieht wunderschön aus. Ja, ich mag sie.“

Jetzt erst fällt mir auf, wie leicht mir diese Worte über die Lippen kommen. Spontan, ohne darüber nachzudenken, einfach so.

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Mit dem Rolli...

schreibt Huldreich

Lieber Gero Hard! Vielen Dank für die Fortsetzung! Da ich in Schweden meine zweite Heimat habe, hat mich die Geschichte mit Svea und die Liebe, die daraus spricht, sehr bewegt. Vielen Dank und liebe Grüsse Ulrich Hermann München

Gedichte auf den Leib geschrieben