Möchtegern Minister

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Möchtegern Minister

Möchtegern Minister

Claudia Carl

Nachdem wir die Innenräume von hinten erreicht haben, dürfen auch meine Ohren wieder lang vermisste Geräusche genießen. Stimmen von Menschen, die reden, Frauen, die quieken und kichern, Männern, die protzen, Gläser, die aneinanderstoßen und vielversprechend klirren und einfach dieser Teppich aus unverständlichen Worten und Buchstaben, die aus Mündern kommen. Noch einmal um die Ecke biegen und auch meine Augen werden belohnt. Köpfe, Körper, Dunst und Qualm, Beine und andere Körperteile, die sich auf den Sitzen räkeln und sich ineinander verschränken. „Danke, Tom“, sage ich und er verschwindet hinter der Bar. Ich kann mich ins Vergnügen stürzen.

Erstmal mache ich einen Rundgang, schlendere sexy zur Bar – sehen und gesehen werden – und bestelle ein Tonic Water, das sieht wenigstens aus wie Alkohol, das lockt Männer an, die glauben, dass man dadurch williger wird.

Ich schaue mich in dem großen Vorraum um, in dem ich schon mit diversen Männern gesessen habe. Manchmal war es der Auftakt zu einem heißen Abend, manchmal aber war ich auch zickig und ein bisschen eifersüchtig und wollte denjenigen eigentlich nur für mich haben. Heute habe ich mit einem mitgebrachten Partner kein Problem, ich bin frei und ungebunden und das ist wunderbar. Einige Augen treffen mich, Männer taxieren mich, Paare schauen mich an, ob ich mich vielleicht für ein Dreiererlebnis eignen würde. Ich lasse alles erstmal offen und gehe nach meinem Rundgang durch den Barbereich zurück nach hinten, da wo man über ein paar Stufen nach oben gehen kann, zu den lasterhaften Lagern.

Mit Herzklopfen schreite ich die schmutzigen Stufen hinauf, gespannt darauf, was ich gleich erblicken werde. Es ist ein Fleischberg.

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