Sie drängt sich ihm entgegen, nimmt sein Drängen auf, Ebenmass der Bewegung. Welche subtile Freude in der Hingabe liegt, fühlt sie mehr als zu denken.
Auf dem Nachttisch dräuend das Glas, die Manschette, die Kanüle.
Es ist ein gespenstisches Sein um das Erspürbare im Dunkeln: Dinge, die nur gefühlt werden, brennen sich tiefer ins Bewusstsein ein als solche, die gesehen werden. Plumpe Dinglichkeit der Objekte, die ihr Grauen einflössen, so nah an ihrem Kopf, das verborgene Leben dessen, was ihr feindlich ist. Utensilien ihrer Qual, Angst erzeugend und doch nur der normale Alltag in diesem Haus, in dem der Mensch und sein Leid körperlich, fassbar, in jeder Hinsicht messbar ist.
Messbar! Was von ihr ist schon messbar, denkt sie höhnisch, vermessen ist das, so zu denken, Leib und Seele sind eins, oder warum hat dieser idiotische Arzt in Leyden bei der ersten Öffnung einer Leiche konstatiert, dass keine Seele zu finden sei? Das war 1668. War es überhaupt? Daten verschwimmen, Denkfehler bleiben. Widerwillig rollt sie sich zur Seite, massiert mit schwacher Hand die schmerzenden Beine, fremd in dem klammen weißen Bett, das einen schneeigen kalten Schein ins Dunkel wirft – morbide: wie das Innere eines Sarges, nur ohne Blumen.
Ein neuer Schauer durchfährt sie, schießt ihr Blut in ihren Unterleib, sendet elektrische Signale an die Oberfläche ihrer zarten Haut. Fordernd, stoßartig bewegt er seine Zunge in ihrem weichen Mund, suchend, wie seinen Schwanz. Dieser Übertragung der Ebenen, zu drastisch um subtil genannt werden zu können, hat sie nie widerstehen können, sofort, reflexartig presst sie ihre Schenkel zusammen, zwischen denen sich eine erste feuchte Spur verliert. Ihre Stirn fiebert leicht, als er seine Hand auf ihre linke Brust legt und sein schneller fächelnder Atem sie streift. Zustimmung, wortlos. Er hält sie fester, streift ihr mit raschem Griff das Hemd über die Hüften, drängt sich an sie. Sein Begehren kann sie im Puls rasen fühlen. Inkubus.
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