Mr. Cool

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T. D. Rosari

Sie spürte aber auch fassungsloses Erstaunen, ja beinahe Entsetzen über ihre zügellose Maßlosigkeit sowie kindliche Freude über diese wundervollen Artikel, die von nun an ihr Leben versüßen würden. Bridget atmete tief durch. Sie liebte diesen rauschartigen Zustand, den dieser Gefühlscocktail in ihr auslöste. Wenigstens ihren anderen Lastern, Cocktails und Männern, würde sie heute entsagen…
Da bemerkte Bridget, dass ein Tisch frei wurde. Ein älteres Ehepaar samt Hündchen hatte sich erhoben und der betagte Herr bot Bridget mit einer eleganten Geste den freigewordenen Platz an. Bridget fand, dass sie diesem freundlichen Mann keinen Korb geben konnte und nahm erleichtert Platz. Ihre Füße brauchten eine Pause, redete sich Bridget ein – was nicht stimmte, da ihre Stuart-Weizmann-Stiefeletten perfekt passten.
Bridget beschloss, auf ihre guten Vorsätze zu pfeifen und bestellte sich einen Aperol. Warum schmeckten Drinks eigentlich dann am besten, wenn sie mit einem Schuss Schuldgefühl serviert wurden? Bridget beschloss, der Antwort nicht auf den Grund zu gehen. Stattdessen genoss sie das bitter-fruchtig-frische Aroma ihres Cocktails.
Bridget schlug ihre langen Beine übereinander und machte es sich in der Sonne bequem. Ihre Shades polarisierten das Licht und so erschien die ganze Szenerie viel kontrastreicher als in Wirklichkeit. Das Blau des Himmels war dunkel, im Gegensatz zu den meist hell gestrichenen Gebäuden der Innenstadt. In der Fußgängerzone standen ein paar wenige Bäume, deren zartes Frühlingsgrün nun dunkel und kräftig wirkte.
Bridgets Blick wanderte zurück zu den Gästen des Cafés. Da waren zwei junge Frauen Anfang zwanzig, die angeregt miteinander plauderten. Bridget sah ein übergewichtiges Ehepaar mittleren Alters, das sich nichts mehr zu sagen hatte. Und eine kartenspielende Altherren-Runde.

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