Monte

Die Madeira-Trilogie

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Monte

Monte

Svenja Ansbach

Jeden Morgen fuhr er mit der Seilbahn von Funchal nach Monte hinauf. Das war die beste Möglichkeit zur Arbeit zu gelangen. Die verglasten Kabinen glitten teilweise atemberaubend dicht über die, in die steilen Hänge gebauten, Wohnhäuser hinweg, was seiner voyeuristischen Ader entgegenkam. Ab und an war seine konzentrierte Ausschau auf Dachgärten, Balkone und in weit geöffnete Schlafzimmerfenster bereits belohnt worden. Ein rammelndes Touristenpärchen in einer Ferienwohnung, nackte Yogaübungen auf dem Dachgarten oder unbekleidet ins Badezimmer huschende Damen hatte er zuweilen erspäht.
Alles änderte sich an dem Tag, als er mal seinen Blick in eine andere Richtung konzentrierte und dabei über ein Fenster „stolperte“, dass ihm Einblick in ein Schlafzimmer gewährte. Auf dem Bett lag eine Frau, breite Hüften, buschige Scham, der Oberkörper war leider während der Vorbeifahrt seinem Blick entzogen.
Sie lag auf dem Bett? Ja, dass auch, aber das bemerkenswerte war, dass sie es sich besorgte, mit ihren Fingern. Das war geil. Viel zu schnell gingen die wenigen Sekunden vorbei, die den Einblick gewährten. Er war sehr gespannt auf den nächsten Tag und wurde nicht enttäuscht. Das gleiche Schauspiel, aber wieder sah er nur den Unterkörper der Unbekannten. Mit flinken Fingern stieß sie in sich, während die Finger der anderen Hand die Möse spreizten. Sie schien sich Zeit zu lassen, denn wie sich in den nächsten Tagen und Wochen herausstellte, verpasste er nur selten die Art der unbekannten Lady ihren Tag zu beginnen.
Wie sie wohl aussah? Der Busch war sehr dunkel, ihre Haut gebräunt, das Becken wie erwähnt breit. Und so träumte er sich passend dazu üppige schwere Brüste, die wie große Pfannkuchen platt auf ihrem Brustkorb ruhten, während sie die Balalaika spielte. Sie würde ein schönes Gesicht haben, da war er, ohne genaue Vorstellungen davon zu entwickeln sicher. Und lange Haare würde sie haben, glatte lange Haare und buschige große Augenbrauen. So sah sie aus, die Lady, in seiner Fantasie.
Das Ganze ging über Monate. Missmutig verließ er die Gondel, wenn er sie mal verpasst hatte, besonders beschwingt, wenn er den Moment erwischte, in dem sie sich aufbäumte, weil sie offensichtlich gerade ‚le petite morte‘, den ‚kleinen Tod‘ starb. Drei, viermal war das Timing perfekt gewesen.
In den letzten Wochen bemerkte er, wie sich das ganze bei ihm zur Obsession entwickelte. Er ging seine Möglichkeiten durch, immer und immer wieder. Eigentlich gab es nur zwei: er genoss, solange es eben ging dieses kleine Schauspiel, den madeirischen Einakter im Fingertheater und erging sich dabei in seinen Fantasien, was sich noch alles ergeben könnte, oder er spürte die Unbekannte auf und sprach sie an.
Entweder zerstörte er damit den Quell seiner Fantasien, denn als kräftiger junger Mann beendete er nicht selten noch vor Arbeitsbeginn in einem wilden Handgemenge auf der Herrentoilette seine Erregung, oder er brach auf zu neuen Ufern. Er war schließlich Single und nicht unansehnlich, und die schlimmste Komplikation die er sich auszumalen vermochte, war, dass sie dem weiblichen Geschlecht zuneigte. Denn einen Besorger hatte sie nicht, da war er ganz sicher.
Er rang Wochen mit sich, bis er endlich einen Entschluss fasste. Er würde sie aufsuchen!

*******

An einem Sonntagmorgen fuhr er mit dem Taxi durch die winkligen steilen Gassen den halben Berg nach Monte hinauf und ließ sich in einiger Entfernung vom Haus absetzen. Fünf, sechs Häuser vom Objekt seiner Begierde entfernt auf der anderen Straßenseite war ein Frühstückskaffee. Hier nahm er auf der Terrasse Platz und bestellte ein leichtes Frühstück mit Milchkaffee (Galão), Saft und gebuttertem Toast (Torada). Dazu Honiggebäck (Broas de Mel). Er war wild entschlossen so lange sitzen zu bleiben, bis sich gegenüber etwas tat. Er hatte beschlossen nicht zu klingeln, wollte nicht indiskret sein. Denn es war nicht auszuschließen, dass es dort doch einen Kerl gab.
Seine Geduld wurde belohnt. Nach etwa zweieinhalb Stunden öffnete sich die Tür. Eine Frau trat heraus, allein! Sein Herz klopfte bis zum Hals. Hastig warf er einen Schein auf den Tisch. Ein sehr großzügiges Trinkgeld, aber was soll’s. Dann strebte er so schnell als möglich, ohne zu rennen, dem Haus entgegen. Als er näher kam erkannte er, dass sie dunkle Haare hatte, allerdings nur halb lang, auch wirklich buschige Augenbrauen konnte er nicht entdecken, aber ein durchaus attraktives Gesicht und unter ihrer weißen Bluse wölbten sich vielversprechend ihre Brüste.
„Ola“, und das war es schon. Der sorgfältig zurechtgelegte Text war weg. Nicht mehr abrufbar! Und so improvisierte er, etwas stotternd. „Ja, also, … Hallo, ähh ..., ich wollte dir was sagen, also die Sache, äh, die Sache ist folgende: wenn ich mit der Cable Car nach Monte hinauffahre, also … also dann kann ich auf dein Haus herunterschauen.“
„Ach“, antwortete sie leicht spöttisch, aber nicht unfreundlich, „das ist ja ganz was Neues.“
„Äh..., ja … was Neues, also nein … natürlich nicht, … aber ich kann in dein Schlafzimmer schauen und man sieht die untere Hälfte vom Bett und … äh... wie du dich selbst liebst… So… Jetzt ist es raus! Ich dachte ich sage dir das, damit du Bescheid weißt.“
Sie grinste ihn an: „Wie, … wie ich mich selbst liebe? Wer spricht denn so? Also, du meinst, man kann vom Cable Car aussehen, wie ich es mir besorge?“
Sie schien belustigt, aber nicht beschämt. Schlagartig wurde ihm klar, dass es ihr egal war oder noch viel krasser, dass sie es darauf angelegt hatte.
Sie sprach weiter: „Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, aber danke. Und - hat es dir gefallen? Du hast dann sicher Gentleman-like sofort weggeschaut...“ Sie kicherte.
„Ja schon“, es war offensichtlich, dass er dreist log, denn jetzt musste er grinsen, „aber die anderen waren bestimmt nicht so diskret.“
„Hast du schon gefrühstückt, fragte sie, und wieder log er dreist: „Ah…, nein.“
„Dann komm, da drüben ist es lecker“. Sie wies mit dem Kopf zu dem ihm bereits bestens bekannten Lokal. Er folgte ihr und bestellte tapfer ein zweites Frühstück. Es kam doch raus, da eine der Serviererinnen nicht die Klappe halten konnte und ihn auf seinen guten Appetit ansprach. So gestand er ihr, dass er ihr „aufgelauert“ habe, um die Diskretion zu wahren.

**********

Sowohl die Ausdauer als auch die Rücksichtnahme schienen ihr zu imponieren. Noch an diesem Tag wurden sie ein Paar und nachdem sie zweimal ausgegangen waren, landeten sie eine Woche drauf bei ihr zu Hause.
Er bekam das erste Mal das Schlafzimmer aus einer anderen Perspektive zu sehen und bald darauf wälzten sie sich auf dem Bett, sich gegenseitig die Klamotten abstreifend. Bei ihrem zweiten Date waren sie im Kino gewesen und er hatte unter ihrem Pulli mit den Händen ihre Brüste liebkost. Was er dort vorfand, quasi in der Blindverkostung, hatte ihn sehr optimistisch gestimmt und nun als er ihre Quarktaschen ans Licht brachte, war er alles andere als enttäuscht. Sie entsprachen nicht nur seinen Vorstellungen, die er sich gemacht hatte, sondern passten exakt in sein Brüste-Beuteschema. Große dunkle Vorhöfe und kräftige noch dunklere Brustwarzen krönten ihre schweren Brüste. Untenherum kannte er schon, staunte aber jetzt, denn der Bär war ab – einfach verschwunden. Penibel glattrasiert und unendlich weich präsentierte sie ihre Möse.
Also spontan gingen sie heute Abend nicht ins Bett! Mit einem leisen Sirren schwebte eine Kabine der Cable Car vorbei. Die Insassen sah man nicht, nur die untere Hälfte der Kabine. Dennoch irritierte ihn das. „Du erlaubst doch.“ Mit einem Grinsen stand er auf und durchquerte mit einem wippenden ziemlich steifen Schwanz das Zimmer, um die Vorhänge zu zuziehen. Er wusste ja, dass die nächste Kabine erst in etwa 1 Minute zu erwarten war.
Zurück auf dem Bett fuhr er langsam mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger, ausgehend von der Fessel ihres rechten Fußes, an der Innenseite ihrer Beine hoch. Über den Unterschenkel sanft und geradezu zärtlich, dann den Oberschenkel hinauf, bis er mit den seiner rechten Hand die Muschi erreichte. Er hob den Kopf und blickte in ihr Gesicht, während er begann, ganz vorsichtig und mit drehenden Bewegungen die beiden Finger in ihren Spalt zu pressen. Behutsam drückten seine Fingerkuppen gegen ihre Schamlippen. Er erhöhte den Druck sanft, so dass er den leichten Widerstand der Schamlippen überwand und seine Fingerspitzen in sie eintauchten. Seine Finger ertasteten das weiche, warme innere ihrer Höhle. Sie schloss die Augen. Eine Mischung aus Neugier und sexueller Erregung ließ sie erzittern. Immer wieder vor und zurück fuhr seine rechte Hand. Seine Finger verschwanden nun bis zum zweiten Fingerknöchel, um im nächsten Moment wieder zum Vorschein zu kommen. Er zog sie heraus, um sie gemächlich und Stück für Stück wieder hineinzuschieben. Er fickte sie mit seinen Fingern und spürte ihre zunehmende Feuchtigkeit. Wieder fuhr er hinein und wieder heraus. Als er seine von Schleim und Feuchtigkeit nun glänzenden Finger erneut tief in sie eintauchte, krallte sie sich links und rechts im Laken fest. Sie biss die Zähne zusammen und atmete schwer, während er sie weiter mit seinen Fingern penetrierte.
Kurz darauf erkundete mit seiner Zunge ihr Geschlecht und mit jeder Bewegung verstärkte sich dieses Gefühl der Erregung in ihr. Seine Hände wanderten über ihre weiche Haut hoch zu ihren Brüsten, die wirklich wie schwere pralle Pfannkuchen auf ihrem Brustkorb ruhten. Eine Hand wandert an ihre Nippel und begannen diese sanft zu streicheln. Es dauert nicht lange, bis sie an den Punkt kam, an dem die Explosion unvermeidlich war. Seine mal zärtlich, mal fordernd knetenden Hände und sein Zungenspiel an ihrem Kitzler waren zu viel für sie! Sie hob ihr Becken, während sie kam, etwas, was er bei ihr ja nicht zum ersten Mal sah. Die ohnehin große Feuchte in ihrer Spalte ging in einer mittleren Überschwemmung auf, in der er seine Zunge, seine Nase, sein ganzes Gesicht badete.
Nachdem beide wieder zu Atem gekommen waren, setzte er sich aufrecht an das Kopfende des Bettes. Dann umfasste er ihre Hüften und hob sie auf seinen Schwanz. Es sah aus, als wollte er sie mit seinem harten Pfahl regelrecht aufspießen. In diesem Moment des ersten Stoßes hielten beide inne, überwältigt von diesem schwer zu beschreibenden Gefühl ungezügelter Ekstase. Doch lange hielt die Ruhe nicht an, denn er begann sich zu bewegen und sie stimmte in seinen Rhythmus ein. Mit jeder Bewegung drückte sie ihm fordernd ihr Becken entgegen, fuhr mit ihren Händen über seinen Rücken und seinen Nacken, lange Kratzer hinterlassend, deren Schmerz er, aber nicht spürte in diesem Moment. Dabei stöhnte sie in purer Geilheit.
Immer heftiger rammte er seinen Schwanz in ihren Leib, bis er nach ein paar weiteren kräftigen Stößen sein Sperma in ihren Vollweibkörper pumpte. Sie spürte, wie die heiße Ladung an ihren Muttermund spritzte und in diesem Moment kam sie noch einmal. Er pumpte nach diesen langen Monaten, in denen er sich seiner Phantasie ergeben hatte Unmengen von Sperma in ihren Leib. Es quoll regelrecht aus ihrem Fickschlitz, als er sein Prengel wenig später aus ihr herauszog.
Erschöpft warfen sich die beiden nebeneinander auf das Bett und blieben eine Weile schwer atmend liegen. Sie hingen dabei ihren Gedanken nach. Vielleicht dachten sie sogar das gleiche, z.B. dass das ein verheißungsvoller Start gewesen war.
Sie blieben ein Paar über viele Jahre, und seine Vorstellung hatte ihn nicht getrogen. Sie war an Sex interessiert, nicht nur in der „Werbephase“ Frischverliebter wie manch andere Frauen, sondern auch danach. Sie wollte ihn oft und ausdauernd und sie war eine von den Ladys die ‚Kunststücke konnte‘, also immer wieder kleine Ideen hatte, das Liebesspiel zu variieren.
Und eine Eigenart hat sie nie aufgegeben. Sie hat lange und ausdauernd an sich selbst rumgespielt, ohne Spielzeug, immer mit ihren Fingern, auch in seiner Gegenwart und, wie sie ihm einmal gestand, auch durchaus ohne ihn. Was sie dabei dachte, ihre Fantasien…, dies hat sie ihm jedoch nie erzählt.
In einer stillen Stunde sagte sie ihm, dass sie sehr wohl gewusst habe, dass man sie damals dabei beobachten konnte, es hätte ihr halt einen Kick verschafft.
Seit diesem Tag fragte er sich, ob sie diese Angewohnheit inzwischen wohl abgelegt habe.

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Danke für die Rückmeldung...

schreibt Anamur

lieber PHK. Kommt ja hier nicht so häufig vor, tut aber jeder Autorin/jedem Autor auch mal gut. Ich werde mir Mühe geben Sie noch mit vielen Kurzgeschichten zu erfreuen. Der nächste Geschichtenzyklus nach dem die Madeiratriologie (die vier Geschichten hat) zu Ende ist, führt uns in das Jahr 2525! VG Svenja Ansbach

Voyeur

schreibt PKH

Wieder eine sehr schöne Geschicht von Ihnen. Ich mag Ihren Schreibstil sehr. Locker und trotzdem anregend in jeder Hinsicht. Gruß PKH

Gedichte auf den Leib geschrieben