Kurz bevor sie den Campus der Universität erreicht hatten, steckte Romy sich eine Zigarette in den Mund. Birte glaubte zu träumen, als ihre Tochter das Feuerzeug anknipste und den Rauch inhalierte.
„Hey, seit wann wird in meinem Auto geraucht? Warte gefälligst, bis du ausgestiegen bist!“
Romy grinste nur, während sie sich aufreizend langsam aus dem Beifahrersitz erhob.
„Bin ja schon weg, Mama. Bis später dann.“
Dann verschwand das blonde Mädchen zwischen den Studenten, die eilig in Richtung des Hauptgebäudes strömten. Birte musste tief durchatmen.
„So langsam übertreibt sie es ein bisschen! Romy verhält sich mir gegenüber ganz schön respektlos.“
Birte bemerkte nicht, dass eine ältere Dame an ihrem Auto vorbeiging und ihr Selbstgespräch mitangehört hatte. Die vielleicht Sechzigjährige lächelte freundlich, als sie Birte ansprach.
„Ich möchte mich nicht in ihre Angelegenheiten einmischen, aber diese junge Frau benahm sich ihnen gegenüber sehr unhöflich.“
Birtes erster Impuls tendierte zu einer ablehnenden Reaktion, doch sie entschloss sich zu etwas anderem.
„Ja, sie haben recht. Das Schlimme ist, dass es sich bei Romy um meine Tochter handelt. Ich weiß nicht, was in letzter Zeit in ihr vorgeht.“
Die fremde Dame beugte sich zu Birte hinab.
„Sie sollten sie übers Knie legen und ihr den Hintern versohlen. Früher wäre das eine normale Reaktion gewesen, wenn eine junge Frau solche Allüren an den Tag legt. Glauben sie mir, ein paar kräftige Schläge auf den blanken Po würden ihrer Tochter ganz guttun.“
Damit verabschiedete sie sich. Birte war perplex. Die Worte der Unbekannten gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Während der Arbeit musste sie immer wieder daran denken. Ihre diesbezüglichen Überlegungen kollidierten mit der Realität. Im Jahr 2025 konnte sie eine erwachsene Frau nicht einfach übers Knie legen.
Nach alter Mütter Sitte
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