Nacht im Hotel

Tinas Geschichte - Teil 17

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Nacht im Hotel

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Stayhungry

Das wird wohl auch in Bezug auf deinen mir unbekannten Gatten zutreffen, den du schon schmerzlich vermisst, noch bevor er gegangen ist. Das ist doch der Mann auf dem Bild mit der Tanzszene in deinem Büro, das dich mit ihm im Großformat zeigt, vom Typ ein bisschen der junge Andy Garcia, nur einen Kopf größer, nicht ganz so traurige Augen, ein kraftvoller, nachdenklicher Blick. Erzähl mir von ihm!

Willst du wirklich die ganze Geschichte hören? Das wird spät werden und wir haben morgen einen harten Tag und die Heimreise vor uns! Ja, nickte K., ich bin gespannt. So lag ich weit weg von meiner Familie im Arm eines anderen Mannes und erzählte ihm die ganze Geschichte von mir und meinem Gatten. Es war das erste Mal, dass K. mich weinen sah.

Das, worüber ich erzählte, waren die besten Jahre meines Lebens.

Als ich aufwachte, war ich allein.

*

Es begann gerade wieder zu schneien. Ich stand mit meinem Rollkoffer vor dem Hotel und wartete auf meinen Fahrer, als K.s Auto aus der Tiefgarage fuhr. Er hielt an neben mir und ließ die Scheibe runter. Wünsch mir Glück, bat ich bedrückt. Nie habe ich Dir etwas anderes gewünscht, antwortete K. ernst und ich spürte, es kam von Herzen. Im Wagen lief die BAP's Hymne „Frau, ich freu mich (unbeschreiblich auf Dich)“, die wilde Fassung der 1980er, nicht die gediegene  Altersversion.

Deutlicher konnte ich nicht darauf hingewiesen werden, was in ihm vorging, etwas, das sich fundamental unterschied von seiner Stimmung früher, wenn ich etwas von ihm wollte.
Ihn trug etwas, von dem ich nicht wusste, ob ich es in mir oder mehr noch in meiner Ehe noch einmal finden würde. Ich hatte gut daran getan, ihn nicht vollends zu überrumpeln in meiner gewohnten Selbstsicherheit. Höchstwahrscheinlich hätte er mich weggestoßen, und wenn nicht hätte ihn schon mit dem Kleinen Tod der Katzenjammer befallen. So oder so hätte ich alles zerstört, was nun am Wiederaufleben war zwischen ihm und mir. Gerade das aber war mir, wie ich mir eingestehen musste, mittlerweile zu wichtig, als dass ich mich dieser Gefahr hätte aussetzen wollen.

Mit sehr gemischten Gefühlen fuhr ich nach Hause.

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