Nachtschicht

6 3-5 Minuten 0 Kommentare
Nachtschicht

Nachtschicht

Lars Koch

Auf dem kleinen Glas brannte eine winzige blaue Flamme. John legte seine flache Hand auf den Rand des Glases um die Flamme zu ersticken. Dann setzte er das Glas vorsichtig an seine Lippen, schloss seine Augen und stürzte das Getränk in den Rachen, danach verzog er kurz das Gesicht und stellte schließlich das Glas
verkehrt herum auf den Tresen. Er sah auf die klebrige Theke, auf sein Glas, dann sah er in das besorgte Gesicht von Maria, die gerade mit einem Handtuch ein Glas polierte.
" Sieh mich nicht so an, es war ein beschissener Tag," sagte John und bestellte noch einen.
" Es ist immer ein beschissener Tag. Ich mach mir nur Sorgen, dass du dich um den Verstand trinkst, nichts weiter," antwortete Maria, goss ihm aber noch einen Drink ein, setzte mit einem Feuerzeug die trübe Flüssigkeit in brand und stellte das Glas auf die Theke und räumte das leere weg.
" Du kommst jeden Abend hier her, trinkst einen nach dem anderen und gehst, wenn wir schließen."
" Und? Seih doch froh, so kommt Kohle in die Kasse, oder nicht?"
" Sicher, aber ich kann es trotzdem schade finden oder?"
" Was findest du schade?" fragte John und kippte den Drink hinunter
" Ach nichts," antwortete sie und ging zum anderen Ende der Bar.
" Hey Maria, was findest du schade?" Rief er quer durch den Raum, setzte sein Glas an den Mund, merkte aber schnell dass, das Glas schon leer war.
" Komm schon Maria," fing er an zu betteln.
" Hör auf zu schreien, ich höre dich ja," sagte Maria und kam wieder zurück und sagte dann: " Ich finde es schade, dass du so viel trinkst, denn dann kann man sich nicht mehr mit dir unterhalten. Denn ich unterhalte mich eigentlich gerne mit dir."
John sah sie nur ungläubig an. " Sieh mal," erklärte Maria einfach weiter, " ich kenne dich schon recht gut. Du hast mir erzählt, dass du in Scheidung lebst, das deine Kinder nicht mit dir reden wollen, weil deine Frau Mist über dich erzählt. Ich weiß, das du unglücklich mit deinem Job bist, weil du glaubst das du demnächst gefeuert wirst. Und du hast gesagt deine einzigen Freunde die du hast, sind Leute die du gar nicht kennst, nämlich die Gäste dieser Bar...", sie wollte weiter sprechen doch John unterbrach sie: " Jetzt ist es aber gut, das muss doch nicht die ganze Welt mitbekommen."
" Es ist keiner mehr da, es ist fast zwei, wir schließen in zehn Minuten," erklärte Maria und ihre Hand zeigte auf die leere Bar.
" Okay und was möchtest du mir jetzt damit sagen?" fragte John
" Ich würde gerne mal mit dir sprechen, ohne das du betrunken zurück pöbelst. Du bist unausstehlich wenn du voll bist."
Maria zögerte einen Moment, dann fügte sie hinzu:
" Ich würde dich gerne näher kennen lernen, denn ich finde dich echt nett." Eine kurze Pause entstand, dann sagte sie noch: " Oh Gott hört sich das kitschig an."
" Nein gar nicht, ich finde es sehr schmeichelhaft, wenn du das sagst. Aber warum hast du nicht schon mal früher etwas gesagt?" Fragte John schon überrascht.
" Es ist nie zu spät, jemanden zu sagen, das man ihn gern hat." Verteidigte sich Maria, sah ihn direkt in die Augen, drehte sich um und fing an aufzuräumen.
John stand auf und begann ihr zu helfen, in dem er die Stühle auf die Tische stellte. Er half ihr öfter beim Aufräumen, wenn er nicht zu betrunken dazu war.
Während der ganzen Zeit sagte Maria und er kein Wort. Er musste über das nachdenken, was Maria ihm gerade anvertraut hatte. Johns Kopf wurde klarer und klarer, er hatte das Gefühl, durch dieses Geständnis wieder völlig nüchtern geworden zu sein. Er musste sich eingestehen, dass er genauso gerne Maria kennen lernen wollte, sich nur zu dumm angestellt hatte, sie anzusprechen.
Maria schloss die vordere Tür zu, schaltete das Licht auf, bis auf die Deckenstrahler über der Theke, dann fing sie an die letzten Gläser zu polieren und sie in die Regale zu stellen.
Fast hätte sie ein Bierglas fallen gelassen, denn sie spürte kräftige Hände, die sie behutsam ergriffen und umdrehten. Sie hob ihren Blick und sah in die klaren Augen von John. Sie fühlte wie die Hände ihre Hüftknochen erwärmten. Dann sah sie das Gesicht von John, seine Lippen die ihren immer näher kamen. Sie ließ es zu, denn sie sehnte sich schon eine ganze Weile nach dieser Nähe. Seine Lippen trafen auf ihre und ein wohliger Schauer durchzuckte ihren Körper. Sie spürte, wie er sie fester in den Arm nahm, seine Lippen öffneten sich und sie ließ ihn gewähren. Sie öffnete ihre Lippen und spürte seine Zunge, die mit ihrer zu spielen begann. Sein Kuss wurde leidenschaftlicher. Maria wusste er wollte mehr, aber auch sie wollte und so ließ sie sich völlig fallen.
Es war schon so lange her, dass sie ein Mann so berührt hatte. Sie genoss die Wärme, seine Leidenschaft, die kräftigen Hände, die sie fest hielten. Über ihren ganzen Körper zog sich ein wohliges Gefühl der Lust. Seine Hände gingen auf Wanderschaft. Ihre Leidenschaft ließ sie völlig wehrlos werden, die Lust ergriff sie, kontrollierte sie, verlangte nach mehr, nach viel mehr. Sie übernahm die Führung, sie knöpfte ihm sein Hemd auf und zog ihn näher zu sich.
John spürte, dass nicht mehr er die Oberhand hatte, dass nicht nur er wollte. Maria drängte ihn und er ließ es nur zu gerne geschehen. Dann setzte sie sich auf den Tresen und zog ihn an seinem aufgeknöpftem Hemd näher zu sich. Ihre Hände waren überall. Jetzt nestelten sie an seiner Gürtelschnalle.
John schloss die Augen und ließ sich führen. Es war nichts mehr wichtig. Nicht das sie jeder sehen konnte oder irgendwelche Probleme, nichts.
Es war nur noch eins wichtig, der Sex, und sie genossen ihn beide die ganze Nacht.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3253

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben