Auch frisch Verliebte können die Tage nicht immer nur im Bett verbringen. Irgendwann muss man aus dem Haus, sei es nur, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen. Abgesehen davon stand ein sonniges Wochenende bevor. „Lass uns heute mal in der Stadt bummeln gehen“, schlug Susanne also am nächsten Morgen vor. „Hm. Das wird schwierig,meinst Du nicht?“, grinste Nadine schelmisch, „immerhin habe ich außer meinem Mantel nichts zum Anziehen dabei ...“. Wie gut, dass die beiden jungen Frauen ähnliche Kleidergrößen hatten, eines von Susannes Sommerkleidern saß bei der Freundin fast perfekt, und ein paar passende Sandalen fanden sich auch. „Mehr brauchst Du doch nicht“, zwinkerte Susanne, „lange hält es Dich ja eh nicht in Deinen Kleidern, aber aus Fairness lasse ich heute auch meine Unterwäsche weg.“
Hand in Hand und dank des frischen Luftzuges unter ihren Kleidchen auch freudig erregt, zogen die beiden los, um in den Schaufenstern der belebten Einkaufsstraßen schöne Dinge zu bewundern, die sie sich von ihrem schmalen Studentinnenetat zumeist gar nicht leisten konnten. Bewundert wurden allerdings auch die beiden jungen Frauen, aufmerksam gemustert, nicht nur von Männern übrigens. Mit ihren luftigen Sommerkleidern und ihrer beschwingten Laune strahlten sie regelrecht und zogen viele interessierte Blicke auf sich.
Auf ihrem Weg kamen Susanne und Nadine am frühen Abend auch an einer mondänen Einkaufspassage vorbei, in der noble Boutiquen, edle Parfümerien, teure Schmuckgeschäfte und ein Designer-Store um die Aufmerksamkeit zahlungskräftiger Klienten buhlten. Das Angebot in diesem Laden hatte mit dem berühmten schwedischen Möbelhaus wirklich gar keine Ähnlichkeit. Extravagante Ledersofas, schrille Formen, polierter Stahl, schweres Edelholz - so also sahen die passenden Einrichtungsgegenstände für innerstädtische Penthouse-Appartements aus. Jedes einzelne der ausgestellten Stücke hätte das Jahresbudget der beiden jungen Frauen um ein Vielfaches gesprengt. Dabei warb eine große Tafel im Eingangsbereich mit dem verlockenden Hinweis: „Entdecken Sie unsere Eröffnungsangebote bei der heutigen Vernissage mit Live-Performance von Aktionskünstlerin Tascha“. Ein paar Fotos zeigten die Künstlerin bei der Arbeit. Sie hatte den Körper einer jungen Frau bemalt und so vor eine großflächige farbig bemalte Leinwand drapiert, dass die Figur teilweise im Hintergrund des Bildes aufging. Auch die Malerin selbst hatte bei ihrer Arbeit einiges von der verwendeten Farbe abbekommen. „Das sieht echt cool aus“, fand Susanne und stupste ihre Freundin an, „und es geht schon in einer Stunde los. Wollen wir uns das nicht anschauen?“ „Total gerne, aber meinst Du, die lassen uns beide überhaupt rein, das ist doch bestimmt nur für geladene Gäste?“, fragte Nadine skeptisch zurück.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.