Kaum war ich ausgestiegen, zog er die Autotür wieder zu und fuhr einfach weg. Erst jetzt wurde ich mir meiner Situation richtig bewusst. Mir war klar, dass Bernd kein Problem damit hatte allein nach Hause zu fahren. Ich hatte dagegen ein riesiges Problem. In diesem Aufzug konnte ich unmöglich alleine durch die Nacht spazieren. Es war zwar nicht mehr sehr weit bis nach Hause, doch die Strasse lag ziemlich abgelegen und wer weiß, vielleicht würde einer der vorbeifahrenden mein Outfit als Einladung auffassen. Obwohl es eine warme Sommernacht war, bekam ich eine Gänsehaut. Von weitem hörte ich, das sich ein Auto näherte. Ich hoffte dass es Bernd war, der es sich doch anders überlegt hatte, versteckte mich aber vorsichtshalber hinter einem alten Baum. Natürlich war es nicht Bernd und ich bekam langsam Angst. Die Möglichkeiten, die sich mir boten, waren nicht sehr berauschend. Ich könnte an der Strasse entlang nach Hause gehen. Das hätte den Vorteil, dass Bernd mich sehen würde, wenn er mich eventuell doch noch abholte, aber andererseits hörte der Wald schon in wenigen hundert Metern auf und ich hatte dann keine Deckung vor anderen Autofahrern. Die andere Möglichkeit war, ein Stück durch den Wald zu gehen. Wenn ich ihn umrandete, kam ich fast bei unserer Strasse raus. So gab es nur wenige Möglichkeiten, wie ich vielleicht entdeckt werden könnte.
Ich blieb noch eine Weile unschlüssig hinter dem Baum stehen und entschloss mich dann für den Weg um den Wald herum. Etwas mulmig war mir schon dabei, schließlich musste ich ganz allein durch die Dunkelheit laufen und meine Schuhe waren auch nicht gerade passend für diese nächtliche Wanderung. Aber es blieb mir ja nichts anderes übrig. Unsicher stöckelte ich am Walrand entlang, achtete aber dabei immer darauf, nicht zu weit von der Strasse abzukommen und trotzdem im Schutz der Bäume zu sein. Nach ca. 1 Stunde sah ich dann die ersten Straßenlaternen und atmete erleichtert auf. Inzwischen war ich ziemlich wütend auf Bernd, doch ich fürchtete mich auch ein wenig, denn er würde mich mit Sicherheit noch für den Ungehorsam bestrafen. Ich war schon fast aus dem Wald heraus, als ich wenige Meter neben mir ein Knacken hörte. Ängstlich schaute ich mich um und traute mich kaum zu atmen. Wieder knackte es und ein Rascheln kam hinzu. Das konnte unmöglich ein Tier sein. Irgendwer trieb sich da im Unterholz herum. Mein Herz schlug wie wild, als die Geräusche immer näher kamen. Ich wollte weglaufen, doch die Angst versteinerte mich und mit meinen Schuhen hätte ich mir wohl eher die Beine gebrochen, als das ich flüchten konnte. „Na, Süße, bist du auch endlich da? Ich hab schon auf dich gewartet!“ Die Stimme, die nur wenige Meter von mir entfernt war, gehörte Bernd. Erleichtert atmete ich auf und Tränen stiegen mir in die Augen.
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