Neue Hoffnung

Hochhausromantik - Teil 4

8 23-35 Minuten 0 Kommentare
Neue Hoffnung

Neue Hoffnung

Yupag Chinasky

Seine Einwände, dass man im Hochhaus nur illegal arbeiten könne und dass sie ja rausgeschmissen worden war, tat sie erst als unwichtig ab, meinte aber nach kurzem Nachdenken, dass es wohl doch besser wäre, eine andere Wohnung zu mieten. Sie lebte sichtlich auf und er hörte sich ihre Pläne und Vorschläge an, ließ sie aber über seine eigenen im Unklaren. Nur einer Sache stimmte er zu, als sie ihn inständig bat, ihn in der Wohnung, ihrer Wohnung, wie sie sagte, einmal, wenigstens einmal besuchen zu dürfen.

Als sie die Wohnung betrat und ihre Vergangenheit wieder vor sich sah, besonders beim Anblick des Bildes mit den Negerweibern, wie er es immer genannt hatte und das er aus Sentimentalität hatte hängen lassen, heulte sie wieder los. Dieses Bild, dachte er, dieses Scheißbild bewirkt mehr, als man glauben sollte und bot ihr als Trost ein Bier an. Er hatte nur noch proletarisches Bier und Korn in der Wohnung, der snobistische Wein war ihm zu teuer geworden. Sie lehnte ab und er machte deshalb nur eine Flasche auf und trank sie fast auf einen Zug aus. Dann saßen sie wieder nebeneinander, diesmal auf dem roten Sofa, so wie damals, als ihre Welten noch in Ordnung waren. Sie hatte sich beruhigt und fing wieder damit an, ihm Vorschläge zu machen, wie schön und wie vorteilhaft es für sie beide sein könnte, wenn sie hier wieder einzöge. Nein, nicht um hier zu arbeiten, das gehe wohl nicht, das sei ihr jetzt auch klar, sondern nur um hier zu wohnen. Sie könnte ja ihrem Beruf im Puff nachgehen, wenn sie mit ihm zusammen wäre, dann wäre für sie alles einfacher. Sie würde sich mehr anstrengen, mehr Geld verdienen und ihm die halbe Miete oder, wenn er wolle, auch mehr geben. Er brauche keine Angst zu haben, dass sie ihm auf der Tasche liegen würde. Wenn sie sich anstrenge, würde sie genug verdienen und würde auch das Mobbing besser ertragen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 5533

Weitere Geschichten aus dem Zyklus:

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben