Von Zeit zu Zeit war einer aufgestanden und hatte Nachschub geholt oder war auf die Toilette gegangen. Am Anfang redeten sie noch, sogar er bekam die Gelegenheit über sich und seine Probleme zu reden und Naomi hörte sogar zu, aber dann wurde das Reden immer diffuser und beschwerlicher und Naomi war schließlich doch eingeschlafen, während er immer noch von seinen großen Plänen schwafelte.
Er hatte sich dann aufgerichtet, sich neben sie gesetzt und sie betrachtet, wie sie da lag, auf der Seite, einen Arm abgewinkelt, den Kopf auf der Armbeuge, den anderen Arm auf ihrer mächtigen Hüfte. Die Hand war immer noch eine breite Patschhand, allerdings mit kurzen Nägeln, von denen der rote Nagellack zum Teil abgeblättert war. Sie trug auch keine Ringe mehr, alles, aber auch alles Überflüssige hatte sie verkauft. Ihr Körper war kompakter als er ihn in Erinnerung hatte, aufgedunsener, ja sie war fast schon dick. Die Brüste hingen groß und schwer herab, die Taille war nur ein sehr sanftes Tal, der Hintern ausladender denn je, der Bauch richtig fett, die Beine, besonders die Oberschenkel, stämmig, die Füße plump und breit. Ihr Gesicht, das ihn anfangs fasziniert hatte, war nicht mehr hübsch, seit die Nase gebrochen und nicht korrigiert worden war. Die Lippen schienen ihm jetzt auch viel wulstiger zu sein und die Lücke in der oberen Reihe der Vorderzähne trug nicht dazu bei, den Anblick zu verschönern. Selbst die kleinen Diamanten waren nicht mehr an ihrem Platz. Sie hatte den Mund halb auf und zog röchelnd die Luft ein und stieß sie prustend wieder aus und verbreitete jedes Mal einen neuen Hauch Bierdunst. Er konnte in ihren offenen Mund blicken und sah, dass nicht nur ein Schneidezahn fehlte, sondern auch zwei Backenzähne. Es war ihm unbegreiflich, wie er sich vor ein paar Monaten in diese Frau hatte so vergucken können.
Das Handy hatte aufgehört zu klingeln. Er hatte keine Lust gehabt, aufzustehen und es zu suchen. Wer sollte ihn auch schon so früh am Morgen anrufen. Er legte sich wieder neben Naomi, eine Hand auf ihrem Hintern, konnte aber nicht mehr einschlafen. Dann merkte er, dass er dringend aufs Klo musste. Notgedrungen stand er doch auf, und nachdem er gepinkelt hatte, zog er sein Handy aus der Tasche der Hose, die auf dem Boden lag. Er drückte auf die Sprachbox. „It is me, Jessica, I am at the airport in Frankfurt. Please come.“
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