Neue Hoffnung

Hochhausromantik - Teil 4

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Neue Hoffnung

Neue Hoffnung

Yupag Chinasky

Er könne sogar seinen Hausschlüssel behalten, soviel Vertrauen habe sie zu ihm nach so vielen Jahren Ehe. Dann kam sie, ohne dass er sie gefragt hatte, sogar noch auf ein Thema zu sprechen, das ihn auch interessierte. Sie habe, falls er das noch wissen wolle, keinen Liebhaber, der nur darauf warte, seinen Platz einzunehmen und sie habe auch nicht vor, sich einen zu suchen. Von Männern habe sie erst einmal die Nase voll. Eine Auszeit täte ihr wirklich gut. Nachdem sie das Problem mit ihren Eltern jetzt so einigermaßen im Griff habe, sie waren tatsächlich in einem Heim untergebracht worden, brauche sie Zeit und Ruhe, um nachzudenken und sie wiederholte noch einmal, was sie bereits festgestellt hatte, nach solch einer Auszeit würde man ja besser sehen, wie es weitergehen könnte. Diese letztlich versöhnliche Wendung der Dinge ließ immerhin ein wenig Hoffnung in ihm aufkeimen und die Zukunft, vor der es ihm graute und von der er keine Ahnung hatte, wie er sie bewältigen sollte, war ein klein wenig rosiger. Aber zum reuevollen Kuschen, zum Bitten und Betteln doch hier bleiben zu dürfen, war es noch zu früh.

Das, was er für den Anfang brauchte, war nicht viel. Er packte die paar Sachen in das Auto, das seine Frau ihm großzügig für einen Tag überließ und fuhr zu dem Hochhaus. Er stellte den Wagen ab, ging zur Hausverwaltung, bezahlte die Kaution und erhielt den Schlüssel. Dann fuhr er in den achten Stock. Die Wohnung war fast noch so, wie er sie kannte, mit einem Unterschied, einem großen, sie war aufgeräumt, besser gesagt, sie war weitgehend leer geräumt. All die Klamotten auf dem Fußboden, an der Garderobe, aus dem Bad waren weg, die Umzugskartons und die Schuhe ebenfalls. Im Bad standen keine Tiegel und Fläschchen und Döschen, im Wohnzimmer kein Nippes. Der Kühlschrank war leer und abgeschaltet, die Tür geöffnet. Selbst der Mülleimer war geleert worden.

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