Neue Hoffnung

Hochhausromantik - Teil 4

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Neue Hoffnung

Neue Hoffnung

Yupag Chinasky

Aber sein Verlangen nach einer Frau war trotzdem noch da und plagte ihn, mal mehr, mal weniger. Um dieses Verlangen zu befriedigen, raffte er sich Wochen nach seinem Einzug auf und ging in den örtlichen Puff. Es war April und die Umstellung auf Sommerzeit bescherte schon die helleren Abende, als er durch die schmale, abgesperrte Straße mit den Schaufenstern ging. Er sah sie schon nach wenigen Metern. Naomi saß in einem der Fenster und auch sie erkannte ihn sofort. Sie hatte sich verändert, leider zu ihren Ungunsten. Ihr Gesicht war irgendwie anders, es lag nicht nur am Make-up, das ihm lieblos aufgemalt vorkam. Sie trug auch keine Rastazöpfchen mehr, sondern eine einfache, kurze Frisur und das bisschen Kleidung, dass sie anhatte, war die typische Arbeitskleidung einer Nutte, weißes Korsett, grobmaschige Strümpfe und High-heels, sonst nichts. Als sie ihn zur Begrüßung breit anlächelte, fiel ihm auf, dass ihr ein Schneidezahn fehlte. Sie schien sich richtig zu freuen, dass er da war, und forderte ihn durch das geöffnete Fenster auf, hereinzukommen. Sie öffnete die Tür, drückte sich an ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange, doch diesmal blieb der elektrische Funke weitgehend aus. Dann führte sie ihn die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Sie setzten sich beide auf das breite Bett und es war so, wie beim ersten Mal, als sie sich beim Griechen zum Essen getroffen hatten. Sie redete und redete und er hörte zu und hatte kaum Gelegenheit, etwas von sich selbst zu erzählen und dabei hätte er genau das dringend nötig gehabt, zugleich aber wusste er, dass Naomi ohnehin nicht richtig zugehört hätte.
Naomis Leid hatte etwa zu derselben Zeit begonnen, als sie sich zum ersten Mal gesehen hatte, als sie, entgegen der Abmachung mit Jessi, in der Wohnung geblieben war. Sie war neugierig gewesen auf ihn, auf den Mann, von dem ihre damalige Freundin immer soviel erzählt hatte, der tatsächlich schon so eine Art Ehemann geworden war.

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