An einen Seitensprung hatte er nie ernsthaft gedacht, wiewohl sich seine einsamen Phantasien öfter anderen Damen als seiner angetrauten Liebsten zuwandten, einfach um das schmerzvolle Gefühl des Ohnehin-nicht-begehrt-werdens nicht auch noch im Träumen zu verspüren. Aber die noch jetzt nachwirkende tiefe Befriedigung, von einer attraktiven jungen Frau begehrt, verführt und unendlich einfühlsam geliebt zu werden, ohne dass er es betrieben hätte, machte es ihm schwer, Katerstimmung zu entwickeln. Im married, not dead – so hatte einst jemand seine lockere Einstellung der Untreue gegenüber ausgedrückt und er hatte nur Verachtung hierfür empfunden. Jetzt war er, der sensible, rücksichtsvolle Ehemann über seinen ganz eigenen Weg zu dieser Gefühlslage gelangt.
Mehr als die Frage seines weiteren Verhaltens seiner Frau gegenüber beschäftigte ihn jene, wie er es mit Carola halten sollte. Das Für und Wider ließ sich nicht eindeutig entscheiden. Auch wenn ihm nach allem nur nicht nach abwarten war, so war das wohl die einzige vernünftige Verhaltensweise. Das mochte ihm Zeit geben, aber hinausgeschobenes hatte ihn noch nie entlastet, es war damit einfach stets gegenwärtig. Sie hatte es ihm überlassen, sich zu melden. Damit war er nicht unter Druck von ihrer Seite.
Er selbst würde sich entscheiden müssen zwischen der Sehnsucht, dies alles noch einmal erleben zu dürfen und der Vernunft, die ihn daran erinnerte, dass Liebe mehr war als ein Strudel sinnlicher Regungen und er wirklich tiefe Gefühle für seine Frau empfand. Gerade diese machten es ihm jetzt einigermaßen leicht, seine Haltung ihr gegenüber zu finden. Nie hätte er das Bedürfnis, sie zu verlassen, sie, die in so mancher ernsten Not noch zu ihm gehalten hafte. Natürlich wäre sie tief verletzt, wüsste sie um das Geschehene und sie ließe nicht gelten, dass er nur einer anderen geschenkt hat, was sie nicht mehr wertschätzt.
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