Er zähmte seinen üblichen Redeschwall und wartete.
Sei ehrlich, Du liebst sie, und mich nur in dem begrenzten Bereich, in dem Du ein Defizit empfindest.
Das ist nicht wahr! Ich möchte Dich ganz erkunden, alles teilen mit Dir! argumentierte er hilflos und wenig überzeugend.
Das ist wahr, aber nur ein Teil der Wahrheit, schmunzelte sie bei allem Ernst und zog ihn mit der Hand in seinem Nacken auf seine Lippen. Ihre Zunge küsste ihn tief in den Mund und matt erwiderte er ihre plötzliche Leidenschaft, die nicht zu dieser unausweichlichen Aussprache passen wollte. Du willst eben nicht alles mit mir teilen. Du könntest es Dir nur vorstellen, abstrakt, wenn Du ungebunden wärst, wenn Du jünger wärst, wenn, wenn, wenn, wenn alles irgendwie anders wäre. Fast schien sie ihn zu verspotten. Er runzelte die Stirn und blickte ratlos in ihre dunklen Augen.
Keine Angst, ich will Dich nicht trennen von ihr. Und ich will unsere Affäre auch gar nicht beenden. Aber abseits des wunderbaren Sinnenrausches ist es etwas unverbindlich. So was bleibt nicht ohne Folgen.
Er verstand, was sie meinte. Auf sie wartete niemand, wenn er gegangen war. Auch wenn sie ihr quirliges Leben liebte, in dem er nur einen Teil ausmachte zu besonderen Stunden, es war nicht Fisch und nicht Fleisch. Die liebende Seele will mehr. Seine Augen wurden feucht.
Es ist nicht gut, nur eine Nebenrolle zu spielen, fuhr sie fort, auch wenn sie wunderbar war. Nur begonnen hatte sie als Hauptrolle, und deren Dauer und Ausmaß waren eigentlich begrenzt, wie jedes Engagement. Ich habe mich voll und ganz engagiert, mehr als Du gefordert hattest und mir auf Dauer gut tut. Selbst wenn Du mit fliegenden Fahnen zu mir überlaufen würdest, das Geheimnis wird schwinden mit der Vertrautheit, sowie auch bei Euch war, und dann werden wir die Unterschiede zwischen uns schmerzhaft empfinden. Wie sollen wir all das für uns erschaffen, was ihr in einem halben Leben begründet habt?
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