Die neue Palmers Kollektion

Geschichten vom Anfang der Träume

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Stayhungry

Ich bin Dir also zu alt? fragte er hilflos.

Bin ich Dir zu jung? konterte sie ein wenig giftig. Nicht bei dem, was wir gemeinsam haben, Du bist ein aufmerksamer, einfühlsamer Liebhaber. Aber insgesamt trennen uns die Jahre, gestand sie leise.

Eigentlich sprichst Du mir aus der Seele, nur schmerzt es so unendlich, Dich zu verlieren.

Du verlierst mich nicht, aber wir können die Wirklichkeit nicht ausschließen und es wird sich ändern mit der Zeit.

Das hatte es schon. Mit zärtlichen Küssen bedeckte sie sein Gesicht, seinen Nacken, forderte seine sinnliche Zuwendung ein weiteres Mal ein und es war schön wie immer. Aber sie liebten sich traurig wie nie zuvor und ihrem Abschied war erstmals Bitterkeit beschieden.

* * *

Natürlich trafen sie sich wieder, wenn er in der Stadt war – und sie Zeit hatte. Sie ordnete dem nicht mehr alles andere in ihrem Leben unter. Sie wurden sprachloser und ihre Ratlosigkeit konnten sie nur unvollkommen überdecken mit dem blinden Verstehen in der erotischen Begegnung.

Das Ende kam ganz bieder. Sie hatte einen Freund gefunden, einen, für den sie leichten Herzens alles aufgab, weil er sie ganz wollte und sie ihn.

Dass es gut war, sah K. in ihren Augen. In denen nämlich konnte er nach dieser langen Liebe lesen wie in einem Buch.

lt hurt’s so good, hieß es in vielen Liedern, und ihn traf genau dieser bittersüße Schmerz, als sie ihm liebevoll das Ende offenbarte. Tatsächlich war er erlöst, denn der Lauf der Dinge hatte ihnen eine endgültige Entscheidung erspart. Ja, er war glücklich, wie es für Carola gekommen war, denn auch wenn er sich ganz für sie entschieden hätte, hätte er nicht in ihr junges Leben gepasst.

Aber seine einsamen Stunden waren qualvoll, denn er würde sie nie wieder spüren und berühren, riechen, schmecken, liebkosen. Das war dann die Hölle. Es würde dauern, ihre Liebe als unverhofftes Geschenk einzuordnen in die guten Erinnerungen des Lebens, von denen er zehren konnte.

Bitter gestand er sich ein, dass er in keiner Liebesbeziehung gestaltend wirken konnte. Natürlich, Glück haben ist Glückssache, und davon hatte er reichlich gehabt in seinem Leben. Nur es festzuhalten, das gelang so selten.

Im Herzen war sie gegenwärtig, aber seine Lippen, seine Zunge, seine Haut, sein Glied, all seine Sinne vermissten sie.

* * *

Und K.‘s Frau?

Missmutig nahm sie zur Kenntnis, dass er nach einem Jahr ihr wohltuender Zufriedenheit wieder unausgeglichen, launisch, überempfindlich wurde und erkennen ließ, dass er sich erotisch vernachlässigt sah.

Warum nur hatte sie dem Himmel so voreilig gedankt?

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