Neunhundertachtundzwanzig

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Neunhundertachtundzwanzig

Neunhundertachtundzwanzig

Herzog

Der Raum ist hergerichtet: Ein kahles Studio, eine ehemaliges Werksgebäude vielleicht, die Wände grob verputzt, der Fußboden Beton. Die Scheinwerfer sind eingestellt. Schattenloses Licht auf dem Perserteppich in der Mitte der Halle. Darauf ein einfacher Polsterstuhl. Daneben, kniend, der nackte Mann.
Es ist ein Mann, zweifellos, auch wenn du ihn nur von hinten siehst. Die langen blonden Locken können dich nicht täuschen. Die Art, wie er dort kniet, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt - das muss ein Mann sein. Du siehst das Gesicht nicht, aber du ahnst seine noch weichen Züge. Denn er ist noch jung. Mitte zwanzig vielleicht, eher jünger sogar.
Das Klacken der Absätze dann, und Nummer 1 erscheint im Bild. Keinerlei Domina-Verkleidung: ein hellblauer Angorapulli, ein V-Ausschnitt, der schöne Brüste ahnen lässt, ein knapp geschnittener Minirock. Der fransige blonde Bubikopf ist dir vertraut: Junge Frauen wie sie bummeln an sonnigen Tagen durch die Stadt, machen window-shopping, eine Eiswaffel in der Rechten, die Einkaufstüte locker über die Schulter gehängt...
Sie nimmt Platz auf dem Stuhl, zeigt noch mehr von ihren schönen Schenkeln, als sie den Mini etwas hochzieht, und gibt dem jungen Mann ein Zeichen. Er legt sich über ihren Schoß, stützt sich mit den Händen auf dem Teppich ab. Sein Hinterteil wird für die Kamera zurechtgelegt. Fast zärtlich streichelt sie sein Gesäß, ein kurzes Lächeln, Vorfreude vielleicht, die Züchtigung beginnt.
Die ersten Schläge wie zögernd. Sie sucht ihren Rhythmus, als könnte sie nicht glauben, was da tatsächlich geschieht. Der Mann liegt ruhig, zeigt keine Reaktion. Es ist wohl nicht das erste Mal, dass ihm dies passiert.
Immer sicherer wirkt sie nun, und immer energischer findet die wohlgepflegte Hand ihr Ziel. Die Schenkel des Opfers erzittern kurz, wenn der peitschenhelle Knall ertönt. Dazwischen fröhliche Zurufe von irgendwoher, junge weibliche Stimmen, Gelächter. Sie lächelt zurück, unterbricht einen Augenblick, antwortet Unverständliches. (Eine Billigproduktion, zweifellos, der Ton ist schlecht, das Amerikanisch nur bruchstückweise zu verstehen...)
Ihre Ablösung - sehr groß, sehr schlank, ein schwarzes Nappalederkleid, ein bodenlanger, weiter Rock. Zwischen ihren langen Beinen eingeklemmt, pendelt der junge Mann mit dem Lockenkopf hin und her, lässt ein erstes Wimmern hören. Sie weiß genau, was sie will. Rechts und links trifft ihre Hand, präzise wie eine Stanzmaschine. Als sie ihn entlässt, er für einen köstlichen Moment der Ruhe niederknien darf, streicht er sich aufseufzend über die gepeinigte Haut...
Nummer Drei dann: ein Madonnengesicht. - Zwei mandelförmige Augen von sanftestem Braun, ein dauergewellter Jungmädchenkopf, ein Lippenpaar, so unschuldig wie eine frisch erblühte tropische Frucht. Sie spricht mit ihm, leise und zärtlich, und er, neben ihr kniend, faltet die Hände und nickt. Dann legt sie ihn über.
Du hättest ihr diese Kraft nicht zugetraut, schon gar nicht, dass sie so erfahren ist. Atemberaubend die Routine, mit der sie ans Werk geht. Auf jeder Hälfte zweimal trifft ihr Schlag, zunächst oben und dann unten, zwischen Schenkel und Po, wo es besonders wehtut. Der Junge versucht vergeblich, sein Stöhnen zu unterdrücken. Du hörst die anfeuernden Rufe der anderen, und die Madonna schlägt noch härter, ein stolzes Lächeln verschönt ihr junges, von anbetungswürdiger Leidenschaft gezeichnetes Gesicht.
Insgesamt dreimal noch wird gewechselt. Da ist die kleine Blonde in dem schwarzen Kleid, die mit schmerzhafter Gleichmäßigkeit immer auf die gleiche Stelle trifft, bis sich das leuchtende Rot der Haut dort in ein dunkles Violett zu verfärben beginnt. Ihr folgt eine breithüftige Brünette mit großen Brüsten, die bei jedem Schlag auf und nieder hüpfen. Das Opfer ihrer Lust (denn dass sie Lust empfindet, ist keine Frage, ihr halbverschleierter Blick, ihr heftiges Atmen verraten sie!), ist kaum noch zu bändigen. - Und schließlich die Schöne in diesem blütenweißen Tennisshort, bauchfrei in ihrer knappen, üppig gefüllten Bluse. Hohe Absätze und Beine, die nicht enden wollen. (Warum erregt es dich so, dass sie eine Schwarze ist?) - Sie ist die Kräftigste von allen, deshalb wohl auch ihr Auftritt ganz am Schluss. Der Kontrast zwischen dem Kaffeebraun ihrer Haut, dem blassen Weiß seines niedergehaltenen Rückens und dem Karmesinrot seines aufgeblühten Hinterteils! Er strampelt mit den Beinen, wimmert und winselt um Gnade, aber sie ist unnachsichtig bis zum Schluss. Immer wieder fährt ihre starke Hand wie ein schwarzer Vogel herab auf sein Gesäß, gleichmäßig zunächst, dann mit winzigen Verzögerungen, die alles noch unberechenbarer, noch peinigender machen ... - Am Ende eine lange Pause, als er schon glaubt, es überstanden zu haben. Du siehst ihre Hand nicht niedergehen, hörst nur den scharfen Knall und seinen hellen Schmerzensschrei, als sie ihn noch einmal trifft, dann wieder und noch ein drittes Mal, mit aller Kraft, die in diesem schönen Körper steckt...
Aufschluchzend darf er endlich vor ihr auf die Knie sinken und die Hand küssen, unter der er eben noch geschrieen hat. Sie lässt es geschehen, deutet wortlos auf ihre Schuhe, die er eilfertig zu lecken beginnt. Und während er sein Hinterteil emporreckt, treten die anderen hinzu und begutachten ihr Werk. Sie lachen und scherzen, streichen sanft über die malträtierte Haut, und die üppige Brünette langt ihm von hinten zwischen die Schenkel und umfasst seinen Schwanz, der unter ihrem kundigen Griff zu wachsen und zu pulsieren beginnt...
Am Abend siehst du den Film zum zweiten Mal. Es stimmt, er ist nicht geschnitten. Alles hat sich so abgespielt, wie es das Video zeigt, ohne eine Pause, hintereinander weg. Und ein wenig schämst dich deiner buchhalterischen Pingeligkeit, aber es ist wie ein Zwang, du willst es einfach wissen: Neunhundertachtundzwanzigmal haben sie ihn geschlagen, neunhundertachtundzwanzigmal!

 

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