Helmut ließ mich, wie abgesprochen, durch die Hintertür ein.
Er war kein Mann großer Worte. „Hi, was haben wir für ein Problem?“
Erwartungsvoll schaut er mich an.
„Ooch“, ich versuchte möglichst cool zu wirken, „ich hab da so eine Geldkassette, da ist der Schlüssel weg, kannst du die für mich aufmachen?“
Er grinste mich an, in seinen Augen blitzte es. „Na, das hätte Sebastian, der Bürohengst doch auch hinbekommen!“
Ich schaute ihn so liebenswürdig und harmlos wie möglich an und sagte: „Ja, aber ich möchte gerne, dass du das machst.“
„Na gut, wirst schon deine Gründe haben. Zeig mal her.“
Ich kramte die Kassette aus meiner Tasche.
„Die ist aber hinterher hin“, bemerkte er noch, während er sie schon auf der Werkbank einspannte.
„Das ist kein Problem, ich hab schon eine neue.“
Er nahm einen Meißel, setzte an, und schlug am Schloss in die Kerbe zwischen Korpus und Deckel der Kassette. Lag es an der glatten Emaille? Oder hatte er nicht sorgfältig genug eingespannt? Jedenfalls flog der Deckel auf und die Kassette vom Tisch. Ihr Inhalt ergoss sich in der halben Werkstatt. Überall lagen meine Tagebücher rum und falls dort Bilder oder andere Erinnerungsstücke eingelegt waren, hatten sich auch diese teilweise selbständig gemacht.
Bevor ich irgendetwas sagen oder machen konnte, hatte sich Helmut schon gebückt und eines der Fotos in der Hand. Es zeigte mich vor dem Spiegel, der Fokus der Handycamera eindeutig auf meinen geschwollenen Brüsten, denn ich war auf dem Foto ziiiiemlich schwanger mit Klara. Ich hatte damals regelmäßig Selfies im Spiegel gemacht, die ich merkwürdigerweise Sebastian bis heute nicht gezeigt habe.
„Oh lala“, entfuhr es Helmut, als er aufschaute. Schaute er mich gerade lüstern an?
Ich wusste ja, dass er immer mal ein Auge auf mich riskiert hatte bei unseren Treffen, auch noch nach dem ich ihm deutlich die Meinung gegeigt hatte nach seinem Auftritt als Einhorn in meinem Schlafzimmer, er ließ es einfach nicht!
Neunte Geschichte … die, in der ich ein dunkles Tor aufstieß
Svenjas Tagebücher
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Neunte Geschichte … die, in der ich ein dunkles Tor aufstieß
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