Aber je mehr er über Bettinas Verhalten nachdachte umso mehr musste er erkennen, dass ihr Verlangen nach ihm nicht nur geschrumpft, sondern quasi gar nicht mehr vorhanden war. Berührungen, die von ihr ausgingen, gab es praktisch gar nicht mehr. Der Sex den sie hatten, so kam es ihm vor, fand nur statt, weil sie es ab zu duldete und es über sich ergehen ließ. Diese Erkenntnis hatte ihn tief getroffen und ihn in eine große Krise gestürzt. Hatte er doch auch hier die Schuld zunächst fast ausschließlich wieder bei sich selbst gesucht. Ihm kam es zunehmend so vor, als sei Bettina zwar noch da, immer noch in seiner Nähe, aber sie war eben nicht mehr für ihn da, quasi unerreichbar. Never there. Warum brauchte sie ihn dann überhaupt noch? Fragte er sich. War es einfach aus Bequemlichkeit, weil einfach alles so bleiben sollte, wie es war? Brauchte sie einfach sein recht gutes Einkommen um den gewohnten Lebensstil halten zu können oder brauchte sie ihn als Hausmeister, Müllmann und Gärtner? Wie oft hatte er versucht alle seine Gedanken in Ruhe mit ihr zu besprechen, Antworten auf seine Fragen zu finden. Immer war sie irgendwie ausgewichen, hatte ihm immer wieder versichert, dass sie ihn noch liebe, dass es völlig normal sein, wenn nach solch langer Zeit in einer Beziehung, dass Verlangen nachließ. Natürlich hatte er sich auch gefragt, ob sie vielleicht einen anderen hat, eine Affäre. Er hatte begonnen nachzuforschen, genau zu beobachten. Verdächtige Kandidaten gab es, im Freundeskreis und im Kreis ihrer Kollegen. Aber wirkliche Beweise konnte er nicht finden. Irgendwann dann, nach Wochen und Monaten des Grübelns und Diskutierens kam er mehr und mehr zu der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen durfte. Wenn er schon mit Bettina gemeinsam nicht weiterkam, dann würde er das eben mit sich ausmachen und alleine aktiv werden.
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