New Years' Eve

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New Years' Eve

New Years' Eve

Anita Isiris

Liebe Leserin

Schön, dass Du mir die Ehre zuteil werden lässt, gemeinsam eine Tasse Kaffe zu trinken und ein paar Zimtsterne zu knabbern – vor einem gemütlich prasselnden Kaminfeuer. Wir sind unter uns. Vergiss die paar männlichen Zaungäste, die gespannt mitlesen, worüber wir gerade diskutieren… entspann Dich ganz einfach und red Dich frei. Na? Hast Du Deine Eistruhen schon gefüllt? Den Vorratsschrank sortiert? Die Fenster geschmückt mit ein paar hübschen kleinen Tannästen – zum Empfang des neuen Jahrs? Wunderbar. Worüber ich als erstes mit Dir reden möchte, sind die Weihnachtsgeschenke Deines Ehemanns oder Lovers, die Du statistisch zu erwarten gehabt hättest. Elektronische Gadgets sind in, Blumen und Wein eher out. Liest man in den Tageszeitungen. Was diese aber verschweigen: Den Verkäuferinnen einschlägiger Geschäfte werden derzeit rot-schwarze Dessous regelrecht aus den Fingern gerissen. Du hast noch kein rot-schwarzes Dessous? Auch nicht zuhinterst in Deinem Kleiderschrank, neben den Netzstrümpfen, die Dir Dein Ex zum Namenstag geschenkt hat? Eben. Nur mal ganz unter uns: Wer schenkt da wem was? Angenommen, das zu erwartende Dessous-Teil sei wirklich für Dich: Ist es denn bequem zu tragen? Engt der mit schwarzen Spitzen besetzte Bügel-BH nicht ein wenig ein? Du bist ja nicht mehr zwanzig, hast bereits zwei Kinder gestillt… und Deine Möpschen (nennen wir sie mal vulgär so) brauchen Freiraum. Luftige Baumwolle. Nö, Süsse. Die Dessous/Strapse schenkt Mann sich selbst. Du wirst darin etwas unsicher wirken in der ersten Neujahrswoche. Schliesslich bist Du ja keine Nutte, oder? Das Beispiel ist aber typisch: Erotik findet im Kopf des Mannes statt – und nur dort. Wenn er scharf ist, ist er scharf. Egal, ob Du ein wenig unter den Armen riechst, weil Du tagsüber von Berufes wegen einen synthetischen Anzug tragen musstest – egal, ob an Deinem Hintern ein kleiner roter Pickel auftaucht… das Männergehirn ist so konzipiert, dass er alles, wirklich alles, nach Bedarf ein- und ausblenden kann. Im Dessous macht er Dich somit zu etwas, das Du gar nicht bist. Männergehirne sind perfekte Multimedia-Maschinen, die reales und virtuelles Leben auf geniale Weise zu durchmischen verstehen – insbesondere in der entspannten ersten Woche des neuen Jahres.

Ach… wir sind nicht mehr allein, Süsse. Zwölf Kolleginnen haben sich zu unserer kleinen Kaffeerunde gesellt. Hallo, Ihr Lieben, und happy new year erst mal. Hand aufs Herz: Laut Statistik hat sich jede Dritte von Euch in letzter Zeit ein Arschgeweih tätowieren lassen. Sagt mal, Ihr vier, die es betrifft: Wieso ausgerechnet ein GEWEIH? Wäre eine Walfluke nicht auch cool? Oder eine Clematisblüte? Oder ein neckischer Rosenstrauch? Kann ja schon sein, dass Gorillas und Hirsche es vor langer, langer Zeit zusammen getrieben haben. Daraus ist dann wohl die Spezies unserer Industriemanager hervorgegangen. Aber stell Dir mal vor…nein, verdräng das jetzt nicht, bitte. Wir reden offen… Stell Dir also vor, wie Dein Klaus Dich von hinten nimmt. Versetz Dich in seine Lage. Was siehst Du? Ein paar dezente Orangenhaut-Streifen. Die sind kein Problem, die hat nahezu jede Frau, wenn man die Haut genügend quetscht. Er hält sich also an Deinem Hintern fest – und ist fasziniert von Deinem süssen kleinen Polöchlein, das sehr gut zu sehen ist, wenn er Deine Backen beim Stossen etwas auseinander zieht. Und, eben. Er sieht diesen Hirsch, den Du bloss durch aufwändige Hauttransplantationen wieder los wirst. Wenn überhaupt. Es sei denn, Du hättest ihn Dir bloss aufmalen lassen, den Hirsch respektive dessen Geweih. Auch Robbie Williams gäbe Jahre seines Lebens darum, wenn er seine zahlreichen Tattoos wieder los werden könnte – und, nochmals Hand aufs Herz: Hast Du selbst von Deinem Mann schon mal so was gefordert? Einen tätowierten Peniskaktus beispielsweise – als Analogon zum Arschgeweih? Männliche Reizwäsche von Schiesser oder Lacoste? Ist Dir noch nie in den Sinn gekommen? Prima. Das zeigt mir, wie normal Du bist.

Unsere Runde hat sich vergrössert; wir sind jetzt vierundzwanzig Frauen. Der Platz um den Kamin wird allmählich eng. Zum Glück reichen die Zimtsterne für alle. Wie steht es mit Eurer Frisur „da unten“? Verwöhnt Ihr Euren Holger zum neuen Jahr mit einem frisch getrimmten Irokesenschnitt? Mit einem vertikalen, schmalen Haarstreifen, der knapp die Schamspalte bedeckt? Lasset Euch folgendes gesagt sein, Ihr Lieben: Die Mütter unserer Kultur – Germania, Helvetia, Pallas Athene, Hera, Penelope oder Nausikaa – ganz zu schweigen von Maria Grazia Cuccinotta, Ornella Muti, Mireille Mathieu, Nana Mouskouri oder Angela Merkel – trugen (oder tragen) da unten munter das Originaldreieck. Gott, so er uns denn erschaffen hat, war in erotischer Hinsicht ein Feinschmecker. Zudem sind Eure Männer analoge Wesen und kriegen vor einer nackten Schamspalte in digitaler Präzision eher Angst – auch wenn sie von einem schmalen Haarstreifen bedeckt ist. Meine Lieben, habt Ihr schon mal die Computer-Festplatte Eures Gatten nach Bildern abgesucht? PC starten, dann auf „Start“ – „Suchen“ gehen. Unter „Dateien und Ordner“ die Dateiendung *.jpg eingeben. Voilà. Lauter unrasierte Frauen sind möglicherweise zu sehen, verteilt auf verschiedenen Harddisks, mit hübsch zurechtgestutztem Schamaardreieck. Vielleicht ist da auch überhaupt nichts zurechtgestutzt. DARAN geilt Otti sich also auf. Und Du nimmst kleine juckende Pickel in Kauf, damit „da unten“ immer alles gut sichtbar ist? Pah!

Dreht Euch mal diskret um. Ein paar männliche Zaungäste sind rot angelaufen. Macht nix, meine Süssen, macht gar nix. Wir reden hier einfach mal Klartext. Nun kommen wir zu den tief sitzenden Jeans. Die sind gerade dabei, sich vom Modemarkt zu verabschieden – aber es gibt sie noch, die Tief-Sitz-Jeans-Trägerinnen. Wenn sie die Bahnhoftreppe hochgehen und man sich direkt hinter ihnen befindet, sieht man den Ansatz der Pospalte besonders gut – und gleich darüber der Saum des dick gefütterten Wintermäntelchens. Klar mag das Fantasien anregen dann und wann… aber mal ehrlich: Wird einer der Voyeure Euch ansprechen? Euch zu einer Tasse Kaffee einladen? Euch was Nettes sagen? Nö. „Geile Schlampe“, werden sie sich denken, „zum Glück ziehen meine Tochter, meine Ehefrau und meine drei Freundinnen sich korrekt an. Aber irgendwie verspüre ich Lust, die Kleine da auf der Bahnhoftreppe mal so richtig durchzuvögeln. Direkt. Ohne Umschweife. Da! Nimm! Und noch ein Stoss! Voilà. Und jetzt tschüss… ich geh nach Hause zu meinen Lieben und esse da Apfelkuchen mit Sahne, den meine Ute mir extra zubereitet hat.“

So ist das Leben.

Ich umarme Euch alle, werde auch 2007 augenzwinkernde Stories veröffentlichen und bin übrigens neu auch im virtuellen Spiel „Second Life“ zu treffen. Mein Name dort ist Anita Sparks. Für die unter Euch, die kein Englisch können: „Sparks“ sind etwas Neujährliches. Funken. Ich wünsche Euch, dass bei allen 2007 der Funken springt. Auch ohne Schwarz-Rot-Dessous, Arschgeweih, Irokesenschnitt und tief sitzende Jeans.

Eure Anita

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