Nichts Besonderes am Valentinstag

13 11-18 Minuten 0 Kommentare
Nichts Besonderes am Valentinstag

Nichts Besonderes am Valentinstag

Leni Trattner

", fragte er.
„Ja." Ich behielt die Augen geschlossen, legte meinen Kopf etwas in den Nacken. „Hör nicht auf."
Seine Antwort war ein Kuss, erst auf meinen Hals, dann auf meinen Mund. Meine Finger suchten, wie sonst auch so oft, nach den Knöpfen seines Hemds. Nur um zu merken, dass er es längst während des Spiels abgelegt hatte. Und wir mussten beide lachen.
„Ich bin offenbar nicht ganz bei der Sache."
„Doch", sagte er. „Genau das bist du."
Vielleicht hatte er recht. Ich dachte weder an den Artikel noch an das, was als Nächstes geschehen sollte. Ich merkte nur, wie er sich anfühlte, wenn er mich hielt, und wie leicht es war, ihm zu zeigen, was ich wollte. Wir standen auf, eng beieinander, und ich nahm seine Hand. Auf dem Weg zum Schlafzimmer blieb ich noch einmal stehen, um ihn zu küssen.
Was danach geschah, gehörte nicht in den Artikel über das Spiel. Auch hier muss ich nicht jede Bewegung beschreiben. Es ist nicht relevant, was wir getan haben und was unser „Nichts Besonderes" war. Denn es ging nie um die Handlungen. Es ging um das, was mit ihnen kam. Denn es war diese unvergleichliche Entspanntheit. Dass ich mich einfach treiben lassen konnte, aber nicht inaktiv war. Wie ich mein Gegenüber ansah und mich nicht fragte, was er wohl jetzt in diesem Moment gerne von mir hätte. Was er von mir dachte. Sondern ich einfach ich war und es genoss. So voll und ganz und ohne Selbstzweifel.
Wie schön es war, ihm beim Sex in die Augen zu blicken und zu sehen, wie diese dunkler als sonst waren. Und doch so ruhig und sicher wirkten. Wie wir genau fühlten, was der andere mochte, was ihm gefiel, sodass keine Worte nötig waren. Und wie wir, als wir beide gekommen waren, noch eine Weile einfach so dalagen. Ohne uns zu bewegen. Ohne das Gefühl zu haben, wir müssten jetzt gleich wieder aufspringen, duschen gehen oder sonst was.
Wie einfach diese Ruhe gleichzeitig mit Sex existierte und wie ich mich danach komplett leer, aber doch erfüllt fühlte.
Es passte einfach alles, weil alles einfach gut war. Als würde sich alles plötzlich fügen und als wäre alles ganz einfach. Und für einen Moment fühlte sich alles genau so an. Einfach, richtig und geil. Und wir ließen es zu.
Als wir wieder auf der Couch saßen, lagen die Karten noch auf dem Tisch. Er nahm ein Stück von der Kochschokolade und verzog das Gesicht.
„Die ist wirklich zu süß."
„Manchmal darf das sein."
„Das stimmt."
Ich griff nach meinem Notizbuch. Für den Artikel würde ich mir wenigstens aufschreiben müssen, welche Karten wir gezogen hatten. Meine Finger berührten den Einband, dann ließ ich die Hand sinken.
„Schreibst du morgen, dass es gut war?", fragte er.
Ich sah auf die Karten, die zwischen den Gläsern lagen. „Vielleicht."
„Obwohl du es kitschig fandest?"
„Es ist kitschig." Ich nahm seine Hand. „Aber wir hatten einen schönen Abend. Das kann ich schreiben."
Unter dem Regal lag noch immer der Würfel. Den würde ich morgen holen. Den Artikel würde ich morgen schreiben. Jetzt blieb ich bei ihm sitzen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 591

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben