Es hieß damals und heißt auch heute nur, dass ich niemandem erklären muss, wo ich am Abend davor war. Und warum ich am Sonntagvormittag lieber in meinem Bett bleibe und lese, statt Frühstück zu machen.
Es heißt, dass ich niemandem Rechenschaft schulde, wenn ich abends länger im Büro bleibe. Dass ich niemanden fragen muss, ob es ihm recht ist, wenn ich für drei Tage nach Berlin fahre, weil ich eine Geschichte schreiben muss – oder einfach nur, weil ich es will.
Und es heißt, dass ich ihn habe.
Den „Friend with benefits", wie man das heute nennt. Ein Begriff, der viel zu nüchtern klingt für das, was er für mich ist. Er ist meine Konstante. Seit Jahren.
Er kennt mich seit einer gefühlten Ewigkeit. Wusste bereits bei unserem ersten Date, dass ich Journalistin bin. Dass ich über Sex schrieb. Dass ich manchmal Dinge tat, die andere Menschen vielleicht seltsam gefunden hätten, nur weil ich eine Geschichte brauchte. Und er hatte nie ein Problem damit. Im Gegenteil. Er fand es lustig. Interessant. Manchmal hat er mich sogar gefragt, ob ich das, was wir gemacht haben, schon mal in einem Artikel verwendet habe.
Als ich ihn also anrief und ihm von dem Spiel erzählte, lachte er. „Ein erotisches Spiel?", sagte er. „Soll das ein Witz sein?"
„Nein", sagte ich. „Leider nicht. Mein Chef will, dass ich es teste. Und einen Bericht schreibe. Aus der Praxis."
„Und du fragst mich, ob ich dein Practice-Partner bin?"
„Wenn du Lust hast", sagte ich. „Ich meine, du musst nicht. Ich kann auch jemanden anderen fragen. Aber…"
„Aber wer soll das sein?", unterbrach er mich. „Dein Nachbar? Der Typ, der täglich Leserbriefe schreibt, in denen er dich lobt?"
Ich musste lachen. „Nein. Der definitiv nicht."
„Also ich", sagte er. Nicht als Frage. Als Feststellung.
„Wenn du willst", sagte ich. „Es ist doof.
Nichts Besonderes am Valentinstag
8 11-18 Minuten 0 Kommentare
Nichts Besonderes am Valentinstag
Zugriffe gesamt: 289
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.