Nichts Besonderes am Valentinstag

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Nichts Besonderes am Valentinstag

Nichts Besonderes am Valentinstag

Leni Trattner

Einen Stift. Hat kurz überlegt. Dann hat er geschrieben. Ich habe dasselbe gemacht. Habe meinen Zettel gefaltet. Auf die Seite gelegt. Wo er ihn nicht sehen konnte.
„Bereit?", hat er gefragt.
Ich habe genickt. Habe den Würfel genommen und gewürfelt.
Die ersten Runden waren so, wie ich es erwartet hatte. Banal. Vorhersehbar. Und auch ein bisschen peinlich, aber auf eine Art, die uns beide hat lachen lassen.
Ich habe zu Beginn eine Drei gewürfelt. Das Feld war blau. „Frage", stand darauf – und bedeutete, dass ich eine Frage beantworten musste. So viel zur Komplexität des Spiels. Er hat eine Karte gezogen und laut gelesen: „Wann hast du dich zum letzten Mal richtig begehrt gefühlt?"
Ich habe kurz geschwiegen. Die Frage war einfacher, als sie sein sollte. Weil die Antwort nah lag. Weil ich sie nur nicht aussprechen wollte. „Vor ein paar Wochen", habe ich gesagt. „An dem einen Dienstag. Als du nach der Arbeit bei mir warst. Wir sind danach noch im Bett gelegen. Und du, du hast mich angesehen, als wäre ich die schönste Frau auf der Welt, obwohl ich mich fertig gefühlt habe."
Dann er. Eine Vier. Auch blau. Auch eine Frage. „Was ist deine größte Fantasie?"
Ich habe die Augen verdreht. „Die Frage kommt sicher in jedem Spiel vor. Die haben sich nicht mal Mühe gegeben."
Er hat gelacht. Hat kurz überlegt. Dann hat er gesagt: „Ich weiß nicht. Vielleicht mal irgendwo sein, wo uns niemand kennt. Keine Verpflichtungen. Keine Termine. Nur wir zwei."
Ich habe genickt. Hatte nicht damit gerechnet, dass er etwas so Ruhiges sagen würde.
Wir haben weitergewürfelt. Landeten auf „Trinken". Haben einen Schluck Wein getrunken. Und waren erleichtert. Das war einfach – und nötig.
Dann das erste „Essen"-Feld.
Noch bevor wir die Karte gelesen haben, bin ich aufgestanden, zur Küche gegangen, habe den Kühlschrank aufgemacht und festgestellt, dass ich nichts hatte.

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