Nie Niemals Nicht

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Nie Niemals Nicht

Nie Niemals Nicht

Andreas

Darüber dachte ich aber nicht nach, als ich nun nach England aufbrach. Ich war ein 18-jähriges Mädchen, das in ihren Ferien etwas erleben wollte. Meine Eltern waren sehr liebevoll, ließen mir sämtliche Freiheiten. Vielleicht lag es auch daran, dass ich ihr einziges Kind war und keine Geschwister hatte. Ich muss zugeben, dass ich manchmal ein bisschen hochnäsig wirkte. Man merkte schon, dass ich Mamas Liebling war und ich zeigte es stolz der Außenwelt. Im Flugzeug schikanierte ich die Stewardess, indem ich sie andauernd auf Trab hielt. Mal wollte ich eine Coke haben, dann brauchte ich ein weiches Kissen. Ich nervte das Flugpersonal mit voller Absicht, nutzte meinen Status als Passagierin der ersten Klasse weidlich aus. Ich bin mir sicher, dass die Crew drei Kreuze machte, als wir endlich in Manchester landen konnten.
Die vielleicht fünfzigjährige Stewardess schenkte mir einen recht unfreundlichen Blick zum Abschied.
Mir kam es so vor, als konzentrierten sich ihre Blicke auf meine Kehrseite, als ich die Gangway hinunterlief. Das lag wahrscheinlich daran, dass mir ihr Spruch einfiel, den sie ihrer Kollegin zuraunte:
„Wenn das meine Tochter wäre, hätte ich ihr schon längst den Hintern versohlt!“ Ich ignorierte diese spitze Bemerkung, die mich kein bisschen beeindruckte. Dafür wackelte ich zum Abschied mit dem Popo, ließ ihn unter meiner gestreiften Jeans lustig hin und her schaukeln. Ich war schon ein kleines Luder in diesen Sommertagen des Jahres 1983. Mit dem zeitlichen Abstand von 36 Jahren fällt es mir leicht, dieser Tatsache ins Auge zu blicken. Damals mit meinen 18 Jahren sah dies völlig anders aus.

Tante Eloise und Onkel Albert warteten schon am Flughafen. Albert nahm meinen Koffer in Empfang, während mich Eloise an sich drückte. Sie sah sehr schön aus, wirkte irgendwie mädchenhaft auf mich. Eloise gehörte zu den glücklichen Frauen, denen man ihr Alter kaum ansehen konnte.

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