Nie wieder Anna!

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Nie wieder Anna!

Nie wieder Anna!

Wulff Triebsch

Ich dachte schon, wir hätten es geschafft und könnten uns ungehindert davonmachen, als mein Kamerad am Steuer unvermittelt abbremste und einen Schrei ausstieß: Vor uns versperrte eine Barrikade den Weg.
Wir blickten uns um, wollten mit einer Kehrtwende in die andere Richtung fahren; doch kurz hinter uns standen gleich zwei Polizeifahrzeuge quer auf der Fahrbahn. Als wir aussteigen und durch den nahen Wald fliehen wollten, rannten wir gleich in die Arme mehrerer bewaffneter Uniformierter. Wir ergaben uns schließlich und ließen uns widerstandslos abführen.
Auf der Polizeistation wurden wir gleich ins Gewahrsam genommen und wenig später dem Haftrichter vorgeführt. Den Mann, der ihm gegenübersaß, erkannte ich sofort wieder: Es war der angebliche Autohändler, der sich als Kriminalhauptkommissar entpuppte.
Wir gestanden nur das Notwendigste, um unsere Auftraggeber nicht zu verraten, die nur wenige Kilometer weiter auf unseren Maybach gewartet hatten.
Als wir gerade über unsere Rechte aufgeklärt wurden, ging die Tür auf und zu meinem Erstaunen erschien Anna in Polizei-Uniform. Sie lächelte uns spöttisch zu und stellte sich dem Richter nur mit ihrem Dienstausweis vor, sodass ich noch nicht einmal ihren Nachnamen erfuhr. Bei der Befragung vermied auch der Richter, sie namentlich anzusprechen.
Sie schilderte vieles, sogar detailliert, nur nicht, wie sie von mir auf der Party auf der Waschmaschine gevögelt wurde, sich allen meinen Kumpanen wie eine Hure angeboten hatte, und wie wir auf den Rücksitzen meines Wagens ‚geübt‘ hatten. - Das wollte ich mit einer ausführlichen Schilderung nachholen.
Anna unterbrach mich sofort, tat empört und erklärte mit hochrotem Kopf, wie sehr sie sich als weibliche Angehörige der Polizei beleidigt und verleumdet fühlte. Das alles entspränge dem Rachedurst eines überführten Verbrechers, der jetzt seine sexuellen Fantasien nicht mehr zügeln könnte. - Nichts von dem wäre wahr! Sie erstattete Anzeige gegen mich.
Die bearbeitete der Richter vor Ort gleich selbst. Er machte mir klar, dass ich jetzt nicht nur einen Prozess wegen des geplanten Maybach-Diebstahls am Hals hätte, sondern mich auch noch wegen Beamtenbeleidigung, Verleumdung und - weiß der Kuckuck was sonst noch - verantworten musste. So ungerecht und heimtückisch geht es auf dieser Welt zu!

*

Hier in meiner Gefängniszelle habe ich oft darüber nachgedacht, was ich falsch gemacht habe. Glauben Sie mir: Ich weiß es nicht! Nur eines schwöre ich: Nie wieder Anna!

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