Ninas beste Freundin

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Ninas beste Freundin

Ninas beste Freundin

Erwin G. Burmeister

Aber ich hatte nun einmal so viel Gefallen daran gefunden und es derart ausgiebig genossen, dass ich jegliche Vorsicht hintangestellt hatte.
Bedröppelt, mit einem Kloß in der Magengrube, ging ich zum Auto, setzte mich hinein, um nach Hause zu fahren und mich dort ganz meiner Verzweiflung hinzugeben. Ich wollte gerade den Zündschlüssel umdrehen, da sah ich Nina aus dem Haus stürmen. Oh je, dachte ich, jetzt macht sie mich so richtig zur Sau. Aber erstaunlicherweise blickte sie bemerkenswert friedlich drein. Sie öffnete die Autotür, setzte sich auf den Beifahrersitz.
„Was hast du vor?“
„Ich fahre nach Hause.“
„Warum?“
„Weil ich dir nach dem, was gerade vorgefallen ist, nicht mehr unter die Augen treten möchte.“
„Was macht dich da so sicher?“
„Nun, deine Reaktion. Ich denke mir, du bist stinkewütend auf mich, weil ich deine Strumpfhose getragen habe, und willst jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben.“
„So ein Quatsch! Lass uns reden. Wir steigen jetzt schön aus, mein Lieber, und gehen wieder zurück ins Haus!“
Ich war verblüfft. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Leise Hoffnung keimte in mir auf … Was würde wohl jetzt passieren? Fast schon willenlos folgte ich ihr.
Drinnen zog sich Nina die Schuhe aus und lotste mich auf Strümpfen Richtung Wohnzimmer, wo wir auf dem Sofa Platz nahmen. Ihr Zorn schien bereits vollständig verraucht zu sein. Ich glaubte sogar, ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht zu bemerken.
„Soso, du trägst also heimlich Strumpfhosen! Ehrlich gesagt, ich hatte mir so etwas schon gedacht. Seit wann machst du so etwas?“
„Seit 1979“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Seit WANN? Um Himmels willen, da war ich ja noch gar nicht auf der Welt!“
Und so erzählte ich ihr alles: von den Strumpfhosen meiner Mutter, die ich erbeutet hatte, von den ersten schüchternen Käufen im Supermarkt, von den Strumpfhosen, die ich später bei meinen Nachbarinnen in der Mülltonne stibitzt hatte.

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