Ich durchsuchte gerade die Seekiste des Kapitäns, ...und fand dort auch drei schöne Becher aus feinstem Silberblech, als sich die Decken auf seinem Nachtlager plötzlich bewegten. Lautlos stellte ich meine Beute ab, ...und zog das kurze Schwert...
Man stelle sich meinen Schrecken vor. Im ersten Gedanken wollte ich dem Gegner keine Changse geben, ...und ihn noch gleich, verschlafen wie er war, unter den Decken nieder stechen.
Aber irgendwie war es mir um das schöne Bettzeug zu schade. Denn ich hatte schon zu lange nicht mehr in einem richtigen Bett geschlafen. So ermannte ich mich, ...und griff in die Daunen, um sie mit einem schnellen Ruck fortzureißen...
...Ich hätte es mir nie verziehen, wäre ich meinem ersten Entschluss gefolgt. Denn als ich die Decke in der Hand hatte, stellte sich heraus, dass die Brust auf die ich zielte, keinem haarigen Piratenstrolch, sondern einem zierlichen Mädchen gehörte, welches mich aus panischen Augen anstarrte.
Nein, die konnte mir nicht wirklich gefährlich werden.
Verlegen ließ ich das Schwert sinken. Ihre kleinen, zarten Brusthügel bebten unter verschreckten Atemzügen. Ängstlich schloss sie die schlanken Schenkel, ..und bedeckte Brust und Scham mit den Händen, als ich ihre aschbraune Schönheit musterte. Dann fasste ich mich endlich wieder, ...und legte ihr die Decke um die zierlichen Schultern.
„Warum hat er dich hier eingeschlossen?“ ...erkundigte ich mich dümmlich, um überhaupt irgendetwas zu sagen.
Doch sie verstand kein Wort, ...und zuckte nur verlegen mit den Schultern.
Mit artigem Lächeln bedankte sie sich schließlich für ihre Befreiung. Dann winkte ich ihr, mir an Deck zu folgen.
„Aahaa“, ...lachte Kalapos. „Unser Blatt scheint sich zu wenden. Das verspricht eine lustige Seefahrt zu werden; ...bei Wein, Weib und Gesang...“
„Lass dich doch mal anschauen“, forderte er meine Neuentdeckung auf.
Doch die lächelte nur unverständig. So versuchte es unser Kapitän mit unterschiedlichen Sprachbrocken, die er in den verschiedensten Häfen der bekannten Welt aufgeschnappt hatte. In einem sonderbar kehligen Dialekt wurde er schließlich fündig.
„Sie stammt aus dem sagenhaften Land am mächtigen Indus. Ich verstehe nur ganz wenig von ihrer Zunge. Aber sie heißt Achte-Tsche-Ba, soviel kann ich sagen. Und sie behauptet, eine waschechte Prinzessin zu sein. Aber das behaupten ja schließlich alle Dirnen der bekannten Welt“, grinste er wissend.
Doch immerhin glaubten wir ihr, dass sie auf einem großen Schiff fuhr, bevor es von Piraten ausgeraubt und versenkt wurde. Und dass der Piratenhauptmann ein Mann mit erlesenem Geschmack war, war ganz offensichtlich. Denn die gertenschlanke Tsche-Ba, wie wir sie von nun an nannten, war von Kopf bis Fuß eine Augenweide.
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