Nur ausprobieren

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Chloé d'Aubigné

Und weil nun auch nur meine Haut, nicht meine Augen, es auf mir wahrnahm.
Ich hörte ihr leises „Alles gut?“ und nickte.
„Sagen Sie es mir. Sie müssen immer klar kommunizieren, das ist eine Grundregel“, erinnerte sie mich sanft.
„Ja“, sagte ich.
Und es war gelogen, es war mehr als gut. Ich fühlte mich so ungleich lebendig. In mir war etwas wie eine erhöhte Wachsamkeit, die mich in Beschlag genommen hatte. Jeder Reiz wurde klarer, jede Berührung deutlicher. Und gleichzeitig dieses Wissen, dass ich jederzeit hätte abbrechen können.
Genau das machte es möglich, zu bleiben.
Die Zeit verlor sich ein wenig. Ich wusste nicht, wie lange ich auf den nächsten Tropfen wartete. Und wie lange es überhaupt dauerte. Minuten vielleicht. Oder mehr. Es spielte aber auch keine Rolle.
Irgendwann hörte ich, wie sie die Kerze ausblies. Aber sie nahm mir die Augenbinde noch nicht ab. Hielt meine Hände auch noch immer fest.
„Ich werde jetzt Ihre Fesseln lösen“, sagte sie ruhig. „Dann können Sie die Augenbinde abnehmen. Oder Sie lassen sie an und strecken mir stattdessen Ihre Hände mit den Handflächen nach oben entgegen.“
Ich spannte mich unwillkürlich an. Doch streckte ihr dann die Handflächen entgegen.
Einige Sekunden geschah gar nichts. Dann folgte eine Berührung. Ich atmete tief ein – nur um mich dann sogleich zu entspannen, als ich das Gefühl einordnen konnte. Es war eine Feder, die über meine Haut fuhr.
Eine Berührung, die nie schmerzhaft gewesen war. Aber eine Ungewissheit, die diese sanfte Berührung so besonders gemacht hatte. Und eine Art von Vertrauen, das ich so noch keiner Person entgegengebracht hatte.
Es war seltsam.
Nichts daran war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und gleichzeitig fühlte es sich … stimmig an. Als würde etwas in mir reagieren, das ich bisher nur vage gekannt hatte.

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