Nur ausprobieren

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Chloé d'Aubigné

Nicht die Intensität war entscheidend.
Sondern, dass ich sie zugelassen hatte.
Als sie schließlich die Augenbinde löste, blinzelte ich gegen das Licht. Der Raum wirkte für einen Moment fremd, als würde ich ihn neu sehen.
Sie trat einen Schritt zurück, ließ mir Raum.
„Wie fühlen Sie sich?“, fragte sie.
Ich suchte nach einer Antwort und musste dann leise lachen.
„Wach.“
Sie lächelte.
„Das ist ein gutes Zeichen.“
Ich blickte auf meine Hände, sah die Wachstropfen darauf. Als ich sie entfernen wollte, hielt sie mich davon ab. Stattdessen reinigte sie meine Handrücken sanft und gründlich.
Ich schob meine Ärmel wieder herunter, zog meinen Mantel an, langsamer als nötig, als würde ich Zeit brauchen, um wieder vollständig hier anzukommen.
Draußen im Verkaufsraum wirkte alles … unverändert. Und doch nicht mehr ganz gleich.
Ich blieb vor den Regalen stehen, diesmal ohne Zögern.
„Das hier“, sagte ich und nahm das Seil in die Hand, das sie mir zuvor gezeigt hatte.
Dann das Wachs. Kerzen. Ein schlichtes, unscheinbares Set.
Ich sah kurz zu ihr. „Und das.“
Sie nickte nur, als wäre das der natürlichste Ablauf der Welt.
An der Kasse legte ich die Dinge nebeneinander. Es hatte nichts Verbotenes mehr. Keine Unsicherheit. Eher eine ruhige Entschlossenheit.
Als sie mir die Tüte reichte, berührten sich unsere Finger für einen kurzen Moment.
„Wenn Sie Fragen haben …“, sagte sie.
Ich nickte. „Ich komme wieder. Ich komme sicher wieder. Danke Ihnen vielmals.“
Draußen am Limmatquai blieb ich kurz stehen. Die Luft war kühler als zuvor, klarer. Ich zog den Mantel enger um mich, spürte das Gewicht der Tüte in meiner Hand.
Und darunter etwas anderes.
Eine leise, wachsende Vorfreude.
Nicht auf den Laden. Nicht auf sie.
Sondern auf den Abend.
Seit dem Abend ist viel Zeit vergangen, vieles ist geschehen. Der friend with benefits ist mein Partner geworden, die Kerzen und die Seile haben Gesellschaft bekommen, haben ihren Platz in dieser Truhe gefunden.
Ich klappe ihren Deckel langsam zu, halte ihn einen Moment fest, bevor ich ihn ganz schließe.
Das Holz gibt erneut ein leises Geräusch von sich, als würde es nicht nur Gegenstände, sondern auch Erinnerungen bewahren.
Ich streiche noch einmal über den Deckel, dann stehe ich auf.
Schiebe sie aber nicht zurück, sondern lasse sie am Boden des Schlafzimmers stehen.
In meinen Gedanken sehe ich immer noch ihren Inhalt. Leder, Metall, Seil. Alles in mittlerweile vertrauten Formen, die nichts Beängstigendes mehr an sich haben, sondern nur Möglichkeiten darstellen.
Ich lächle ruhig.
Vielleicht, denke ich, vielleicht kommen sie heute Abend wieder zum Einsatz.
Der Gedanke ist ruhig. Selbstverständlich.
Und genau das gefällt mir daran.

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