Nur ausprobieren

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Chloé d'Aubigné

Sie können dann auch entscheiden, ob Sie zusehen wollen, wenn das Wachs heruntertropft, oder ob es Ihnen wohler ist, wenn Sie die Augen schließen“, sagte sie ruhig. „Und sagen Sie mir sofort, wenn es zu viel wird.“
Ich gehorchte – und fühlte in mir eine merkwürdige Mischung aus Neugier und einer Freude daran, gehorchen zu dürfen, die ich so nicht kannte. Aber die mir gefiel.
Dann folgte das leise Geräusch eines Feuerzeugs. Ein kurzes Aufflackern, und wir sahen ein paar Sekunden lang beide andächtig in die Flamme. Bis sie mir mit einem Nicken zu verstehen gab, meine Hand auszustrecken.
Dann hob sie die Kerze hoch und ließ vorsichtig den ersten Tropfen herabfallen.
Der erste Kontakt war … anders, als ich erwartet hatte.
Auf meiner Haut fühlte es sich an dieser Stelle deutlich wärmer an, das schon. Aber nicht schmerzhaft. Eher ein überraschender, punktueller Reiz, der in dieser Intensität sofort wieder verschwand, aber ein feines Prickeln und vor allem einen sichtbaren Wachsfleck hinterließ.
Ich atmete ein.
„Alles gut?“, fragte sie.
„Ja“, sagte ich, fast zu schnell.
Sie wartete einen Moment, als würde sie mir Zeit geben, in dieses Gefühl hineinzufinden. Erst als ich ihr wieder in die Augen blickte und nickte, ließ sie den zweiten Tropfen folgen. Diesmal einen größeren aus etwas geringerer Höhe. Es war intensiver, deutlich wärmer, fast heiß. Leise hörbar atmete ich ein. Aber nicht vor Schmerz. Vielmehr nahm ich dieses Gefühl bewusst in mir auf, ließ es sich ausbreiten und fühlte, was in meinem Körper geschah, wie er prickelte. Wie er diese neue Sinneswahrnehmung verarbeitete.
Ich merkte, wie meine Aufmerksamkeit sich verengte. Wie alles andere im Raum unwichtiger wurde. Wie ich mich mehr auf meinen Handrücken konzentrierte.
„Man kann die Intensität steuern“, sagte sie leise.

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