Nur ausprobieren

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Chloé d'Aubigné

Ich hätte die Truhe einfach ignorieren können. Aber ich war gerade dabei zu putzen – eine Tätigkeit, die ich seit meiner Kindheit verabscheue – und ließ mich daher nur zu gerne ablenken.
Daher knie ich mich davor, streiche mit den Fingern über das dunkle Holz, das an den Kanten leicht abgeschliffen ist, und hebe den Deckel an.
Ein leises Knarren. Dann dieser vertraute Geruch.
Leder, ein Hauch von Metall, etwas, das ich nie genau benennen konnte und das trotzdem sofort etwas in mir auslöst. Ich greife hinein, ziehe eines der Halsbänder heraus, lasse es durch meine Hände gleiten. Das Gewicht überrascht mich immer wieder. Es ist deutlich schwerer, als es aussieht. Oder als es so einem Gegenstand zustehen würde.
Ich lächle.
Weil das, was ich sehe, mir auf eine merkwürdige Art ein sicheres Gefühl gibt. Und weil es sich so beruhigend und selbstverständlich anfühlt. Als hätte es immer schon zu mir gehört, dieser kleine, gut verborgene Teil, den niemand sieht, wenn er mir auf der Straße begegnet.
Ich würde nicht sagen, dass ich Teil irgendeiner Szene bin. Ich kenne die Begriffe, die Codes, die Menschen, die sich darin bewegen. Ich finde sie spannend, aber ich bin nicht Teil von ihr. Wahrscheinlich, weil es nicht meinem Naturell entsprechen würde. Aber ich liebe es, mir Elemente aus ihr auszuborgen. Wie dieses hier. Dies ist ein kleiner Teil von mir. Etwas, das sich leise in mein Leben geschoben hat, ohne dass ich es geplant hätte.
Ich lege das Halsband zurück und bleibe noch einen Moment so sitzen, die Hand auf dem Rand der Truhe.
Es hat harmlos angefangen.
Mit einem Nachmittag, an dem ich endlich einmal mutig sein wollte.
Ich weiß noch, wie ich damals vor dem Spiegel stand und mich fragte, ob man mir ansah, was ich vorhatte. Lächerlich eigentlich – als gäbe es ein bestimmtes Gesicht für so etwas.

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Gedichte auf den Leib geschrieben