Nur einen Lippenstift gab es hier nicht, aber den hatte ich in meinem Handtäschchen, einen knallroten, der meine sinnlichen Lippen noch sinnlicher machte, dazu die blauen Lidschatten auf meiner braunen Haut, das alles macht mich so richtig exotisch und, nun ja, umwerfend. Die Fingernägel hatte ich mir vor der Abreise richten lassen, Zentimeter lange Kunstwerke aus Plastik und Lack. Nicht zu vergessen die Fußnägel, die ich meist vernachlässigte, auch sie waren nun perfekt. Ich musste schön sein für den Mann meiner Träume, ich musste ihn allein mit meinem Aussehen sofort wieder verführen und ich würde ihn erobern und ihn nicht mehr loslassen, ihn, der mein Glück möglich gemacht hatte. Als ich fertig war, betrachtete ich mich lange im Spiegel und kam zu dem Schluss, dass ich schön war, schön und begehrenswert, eine Frau, die man sofort haben will. Mein kurzes Kleid, das ich nun angezogen hatte, war noch ganz neu, dazu die Unterwäsche, ein roter Traum von Nichts, die reinste Verführung auf meiner braunen Haut, die Erfüllung männlicher Sehnsüchte. Die neuen High-heels, auf denen zu gehen ich mich kaum traute, so ungewohnt waren sie, machten mich ein Stück größer, ebenbürtiger, wenn man will. Man musste in sein Aussehen investieren, sagte ich mir, um zum Erfolg zu kommen. Das tat ich nicht nur im Traum, auch im realen Leben, ich kaufte Klamotten und Kosmetika auf den illegalen Märkten in den privaten Wohnungen, dort konnte man alles finden, was man brauchte und es war auch bezahlbar, wenn auch oft nur Imitation, aber wer merkte das schon. Ich war ein neuer Mensch, die Klamotten hatten mich zweifelsohne noch attraktiver gemacht und das wollte ich sein, nein, ich musste es sein, zumindest für diese Nacht und für meinen schönen Traum.
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