Ich musste bei niemandem um die Gunst einer Nacht buhlen, obwohl so ein bisschen kribbelte es doch in mir. Allein die Annäherung, das Einwickeln und dann der Erfolg und das bei einem Mann, der einem auch noch gefiel, das hatte schon etwas für sich. Aber genau das hatte ich bereits ausgiebig getan und musste jetzt nur noch warten und die Blicke genießen und mir ausmalen, was wäre, wenn. Jetzt noch aktiv zu werden, mich anzubieten, meine Reize noch deutlicher zu zeigen, das wäre reine Energieverschwendung gewesen. Ich setzte mich an die Bar, trank den Champagner, beobachtete und ließ mich anstarren, blieb freundlich und reserviert und freute mich über die Bedeutung, die ich wenigstens für ein paar Stunden oder gar Tage erlangt hatte.
Dann kam er, ich erkannte ihn sofort als er den Raum betrat. Er war älter geworden seit dem letzten Mal, deutlich älter. Manche Männer werden umso attraktiver, je älter sie werden. Bei ihm war das definitiv nicht der Fall. Ich hätte mich bestimmt nicht nach ihm umgedreht und ganz bestimmt keine Nacht mit ihm verbracht, wenn es nicht der Mann gewesen wäre, dem ich mein Glück und auch den Aufenthalt in diesem Luxushotel verdankte. Oder hatte er sich doch nicht so stark verändert, war nur meine Wahrnehmung eine andere, hatte ich in Gedanken schon einen der besser Erhaltenen im Auge gehabt? Egal, ich fiel ihm jedenfalls um den Hals, als er vor mir stand und bedeckte sein Gesicht mit heißen Küssen. Ich redete mit vielen Worten sinnloses Zeug auf ihn ein, das er ohnehin nicht verstand, unsere verbale Kommunikation war auf aller niedrigstem Niveau im Vergleich zu unserer körperlichen Aktivität. Aber wozu brauchten wir Worte, wir hatten uns, endlich wieder. Er freute sich sichtlich, er war stolz auf diesen Schmetterling an seiner Seite, auf eine Frau, die bewundernde, neidische Blicke auf sich zog.
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