Nur gegen Bezahlung

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Nur gegen Bezahlung

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Yupag Chinasky

Auch mit dem Licht, dieser bescheuerten Mischung aus Tageslicht und Deckenlampe, wie er ihr erklärte, war er nicht zufrieden. Er musste öfter als er wollte den Blitz einsetzen, obwohl die Gefahr groß war, dass dessen hartes Licht alles totschlug. Aber mit der Zeit fand er gerade diese beschränkte Situation recht interessant. Er hatte nämlich begonnen, das obskure Objekt seiner Begierde hautnah aufzunehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Er sezierte es mit der Kamera und arbeitete Details mikroskopisch heraus: die beringten Hände, die Füße mit dünnen Kettchen in den abgetragenen Sandalen, die helle, nackte Haut zwischen Jeans und Bluse, den tiefen Ausschnitt zwischen den hochgewölbten Brüsten in dem lila BH. Am meisten angetan war er jedoch wieder von ihrem Gesicht, das ihn bereits im Freien am meisten inspiriert hatte: von den hohen Backenknochen, der etwas zu großen Nase, dem breiten Mund mit den tadellosen Zähnen, dem wirren Lockenberg und den Augen, diesen schwarzen Gazellenaugen, die ihn einmal ganz unschuldig, dann vulgär, als nächstes verträumt und schließlich sogar voller Verachtung anblickten. Er war begeistert und sagte ihr mehrfach, wie faszinierend ihr Gesicht und vor allem ihre Augen seien.

Doch bei aller Faszination hatte er irgend wann alles aufgenommen, was es auf diese Weise aufzunehmen gab und nun wollte er endlich zu den avisierten Nacktaufnahmen kommen. Sie machte jedoch von sich aus keine Anstalten, ihre Kleider abzulegen und so fragte er schließlich „Was ist denn jetzt mit den freizügigen Aufnahmen?“ Sie zögerte und schien ein wenig Angst vor der eigenen Courage zu haben. „Du bist nicht der erste Mann, vor dem ich mich ausziehe, aber fotografiert hat mich noch keiner dabei“, scherzte sie und legte dann doch ihre Kleider langsam und theatralisch ab: erst schlüpfte sie aus den Sandalen, dann knöpfte sie die Bluse auf und streifte sie über die Schultern, danach zippte sie langsam, Millimeter für Millimeter den Reissverschluss der paillettenbesetzten Jeans auf und zerrte diese, etwas anstrengender als es notwendig gewesen wäre, über die Hüften, zog sie über Oberschenkel, Kniee, Unterschenkel bis zu den Füßen.

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