Als sie nach einer Weile intensiven Arbeitens eine Pause machten und er der jungen Frau die Bilder auf dem kleinen Monitor der Kamera zeigte, rief sie begeistert: „Mann, seh ich gut aus! Kommt meine Figur nicht prima raus? Und diese Großaufnahmen erst, Spitze!“ Ganz zufrieden war sie aber nicht. „Mein Busen, ist der nicht zu groß und mein Hintern viel zu flach?“ Auch er hätte mit der Ausbeute zufrieden sein können, war es aber nicht so recht. Denn trotz aller Besonderheiten, die diese Bilder auszeichneten, trotz der Aktivität und des Einfallsreichtums seines Modells, erschien ihm das Ergebnis reichlich konventionell. Nackte Frauen wurden schon Millionen Mal fotografiert und Aktbilder gab es zuhauf. Keine Pose, keine Stellung, keine Situation, keine Absonderlichkeit ist vorstellbar, die nicht schon irgendwann, irgendwo und von irgendwem festgehalten und veröffentlicht wurde. Was konnte man da noch anders machen? Womit konnte man noch jemanden beeindrucken? Eine gewisse Resignation breitete sich in ihm aus, gepaart mit Trauer, weil das Shooting sich anscheinend dem Ende näherte. Doch dann geschah etwas, etwas was die Situation veränderte, eigentlich nur eine belanglose Kleinigkeit, aber letztendlich eine mit nachhaltigen Folgen. Durch eine fahrige Bewegung, stieß er mit der Kamera an ihren Arm, als sie gerade dabei war, ihre Lippen nachzuschminken. Die Folge war ein blutroter Streifen, der sich vom Mundwinkel zum Kinn hinabzog. Sie wollte das Missgeschick korrigieren und mit einem Tempotaschentuch abwischen, doch er starrt sie fasziniert an und hielt ihre Hand fest. „Lass das, so wie es ist. Das sieht ja aus wie Blut, wie eine Verletzung. Da könnten wir doch was draus machen“. Er entwickelte einen neuen Plot, sie griff seine Idee begeistert auf, spann sie fort und dann entwickelte sich ein neues Spiel.
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