Nur gegen Bezahlung

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Nur gegen Bezahlung

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Yupag Chinasky

Was ihn jedoch zutiefst entsetzte, war ein Gegenstand, der zwar etwas unscharf und undeutlich, aber doch eindeutig auf dem Bild zu sehen war. Neben dem Küchentisch lag ein brauner Rucksack mit der Aufschrift „titanic-bag“. Er hätte sich in den Hintern beißen können, dass ihm das nicht aufgefallen war, als er das Bild für sie ausgesucht hatte. Auf der Rückseite des Fotos stand in ungelenker, verstellter Kinderschrift: „Zahlen sie 1000 Euros sonst geh ich zur Polizei und zeig sie an. Stecken sie das Geld in einen Umschlag. Werfen sie diesen in den Papierkorb mit dem gelben Aufkleber auf dem Spielplatz neben der Bank da wo sie gesessen haben. Abgabe Mittwoch 7. Mai punkt elf Uhr in der Nacht. Anschließend verschwinden sie sofort. Warnung: keine Triks, keine Polizei.“ Heute war Dienstag.

Seine erste Reaktion war blanke Wut, die zweite nackte Angst. Es ärgerte ihn maßlos, dass dieses Luder erst abkassiert hatte und dann durch Erpressung noch mehr Geld eintreiben wollte. Dabei hatte er ihr doch das gegeben, wie sie gefordert hatte, ohne herumzuhandeln. Und sie hatten sich gut verstanden, hatten Spaß bei den Aufnahmen gehabt und alles war problemlos vonstatten gegangen. Sie hatte sich doch beim Abschied noch ausdrücklich bedankt, dass er sie in keiner Weise belästigt, angemacht oder gar angefasst hatte. Und jetzt war diese gemeine Tussi, diese Schlampe auf die Idee gekommen, ihn zu erpressen. Er würde natürlich nicht zahlen, tausend Euro waren auch für ihn viel Geld. Er wollte aber auch keinen Ärger, keine Polizei, keine Nachforschungen, keine Verhöre, keine Gegenüberstellung. Wer würde seinen Erklärungen Glauben schenken? Wer würde seine Version des Geschehens abnehmen, wenn diese angeblichen Beweise auf dem Tisch lagen? Zu all dem würde ihm seine Frau höchst unangenehme Fragen stellen und es wäre noch unangenehmer, wenn seine Bekannten, seine Freunde, die Arbeitskollegen oder gar sein Chef Wind von der Sache bekämen.

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