Nur gegen Bezahlung

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Nur gegen Bezahlung

Nur gegen Bezahlung

Yupag Chinasky

Das Bild sprach nun mal für sich, da gab es nichts zu deuteln. Wie wollte er die gezeigte Situation widerlegen? Wie wollte er beweisen, dass die blauen Flecken und Kratzwunden nur aufgemalt waren? Selbst wenn die Verletzungen echt gewesen wären, mittlerweile wären sie verheilt und spurlos verschwunden und man könnte nicht mehr feststellen, dass sie nur fiktiv waren. Auch die Fotos, die sowohl eine glückliche, zufriedene Frau und ein vergnügtes Kind auf dem Spielplatz als auch detaillierte Körperpartien ohne jegliche Verletzungen oder Spuren von Gewalt zeigten, waren ohne Beweiskraft. Irgendwann im Laufe des Nachmittags, so würde das Biest aussagen, habe sich ihre Beziehung grundlegend verändert. Ganz plötzlich habe er sich auf sie gestürzt und ihr Gewalt angetan. Ja, sie gebe zu, dass sie ihn durch ihre Nacktheit und ihre gespielte Geilheit erregt habe, aber dieses Spiel habe er ja gewollt. Den Zeitpunkt, an dem die harmlose Aktfotografie in eine brutale Vergewaltigung umschlug, würde man sogar exakt an Hand der digitalen Negative ermitteln können. Denn ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch Bilder, die von Gewalt zeugten, mit Wunden und Verletzungen. Bilder, auf denen sich statt Freude und Vergnügen nur noch Angst und Wut und Scham im Gesicht der Frau spiegelten. Es gab kein Bild, in dem der Schminkvorgang dokumentiert war, kein Bild, auf dem die scheinbar misshandelte Frau beim Abschied ihren angeblichen Peiniger anlächelte, kein Bild mit einem freundlich winkenden Kind im Hochstuhl.

Je mehr er sich ärgerte und sich in seine Ängste hineinsteigerte, umso weniger fand er eine Lösung. Er zerbrach sich den Kopf, was er tun sollte, um ungeschoren aus der verdammten Sache herauszukommen. Keine Polizei, das war klar. Das Ganze zu ignorieren und nichts zu bezahlen war aber auch riskant. Die Tussi würde mit Sicherheit aus Rache eine Anzeige wegen Vergewaltigung erstatten und als Beweis seine eigenen Bilder vorlegen.

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