Nur gegen Bezahlung

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Nur gegen Bezahlung

Nur gegen Bezahlung

Yupag Chinasky

„Ich weiß, ich hätte gleich kommen müssen, aber ich konnte nicht. Ich habe mich so geschämt. Ich war so geschockt. Ich musste die Schande erst mal verarbeiten. Aber jetzt will ich, dass dieser Mistkerl bestraft wird, dass er eingelo
ht wird.“ So oder ähnlich würde sie jammern. Doch je mehr er nachdachte, umso weniger wollte er glauben, dass dieser Plan von der Frau allein ausgeheckt worden war. Nein, so sehr konnte er sich in ihr nicht getäuscht haben. Es konnte nur so gewesen sein, dass ihr Freund, dieser Fiesling, die Finger im Spiel hatte. Er war es, der die Sachlage auszuschlachten versuchte. Er war mit Sicherheit die treibende Kraft, weil er eine einmalige Chance sah, an Geld zu kommen, an viel Geld. Wer einmal zahlt, muss immer zahlen. Erpressungen hören nie auf, das weiß man doch aus den Krimis, das kriegt man doch in all den Fernsehserien mit.

Mitten in der schlaflosen Nacht kam ihm sogar eine ganz abstruse Idee. Er würde am frühen Nachmittag zum Spielplatz fahren, sein Auto, das die Frau ja nicht kannte, am Ausgang parken, sich mit Schal und Mütze vermummen und in den dichten Büschen verstecken. Wenn die Frau dann mit dem Kinderwagen käme, würde er hervor stürzen, sich das Mädchen schnappen, zu seinem Auto rennen und davon brausen. Er würde Gleiches mit Gleichem vergelten, Erpressung mit Entführung, Geldforderung mit Aufhörforderung. Er würde dem Kind natürlich nichts antun, es nur eine Weile bei sich behalten, bis die verzweifelte Mutter bereit wäre, die Erpressung zu unterlassen. Doch irgendwann wurde sein Kopf wieder klar. „Entführung, das ist doch genau so ein Kapitalverbrechen wie Vergewaltigung, Mann! Lass den Unsinn, sonst bis du nur noch tiefer in der Scheiße.“ Die Nacht war vorbei und er lag immer noch ratlos im Bett.

Den nächsten Vormittag verbrachte er mit Grübeln und Nachdenken, mit Hoffen und Bangen.

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Gedichte auf den Leib geschrieben