Nur gegen Bezahlung

7 28-43 Minuten 0 Kommentare
Nur gegen Bezahlung

Nur gegen Bezahlung

Yupag Chinasky

Ich warte, bis der Typ kommt und dann...“ „Und was dann?“ Als sie merkte, dass auch ihrer Verführungskunst ihn nicht umzustimmen vermochte, stand sie abrupt von seinem Schoß auf, stützte die Hände auf den Küchentisch und sah ihn höhnisch an. Ihre Zärtlichkeit und ihre Hilflosigkeit waren wie weggeblasen. „Was willst du mit dem machen? Der macht doch dich nach Strich und Faden fertig und nicht umgekehrt. Und mich dazu. Das kannst du doch nicht wollen, oder?“ Ihr Redefluss strömt wieder ohne eine Spur von Liebenswürdigkeit. Immer wütender, immer aggressiver drängte sie ihn, sofort ihre Wohnung zu verlassen, sofort Leine zu ziehen, abzuhauen. Er führte diesen Umschwung auf ihre Erregung und ihre Angst zurück. Ärgerlich, ja wütend wehrte sie ihn ab, als er versuchte, sie wieder auf seinen Schoß zu ziehen. Resigniert setzte sie sich auf ihren Stuhl und sagte leise „Dann kommt es eben, wie es kommen muss. Ich habe dich gewarnt, du hast selbst Schuld.“

Sie saßen sich eine Zeit lang schweigend gegenüber. So gegen sechs hörte er, wie die Wohnungstür aufging. Die Frau schrie auf „Komm nicht rein! Er ist da! Verschwinde!“ Doch es war zu spät, in der offenen Küchentür stand der Freund, der Erpresser, der brutale Typ, der zu allem fähig war, selbst zu Mord und Todschlag. Es war ein Jüngelchen, schmal und ungepflegt, mit fettigen Haaren und einem pickeligen Gesicht. Er starrte erschrocken und kreidebleich auf die beiden. „Wa.., wa.., was is hier los?“ stotterte er. „Wer ist das? Und wa.. was is mit dir los? Hat der dich geschlagen?“ Die Sachlage klärte sich schnell auf. Sie brauchten nicht viele Worte. Bevor er die Wohnung verließ, sagte er zu ihr: „Gib mir die Bilder, damit deine blühende Phantasie dir nicht noch einen solchen Streich spielt.“ Als er den Umschlag in der Hand hielt, konnte er sich nicht verkneifen, ihr ein Lob auszusprechen „Du bist zwar eine dumme Nuss und eine blöde Kuh und hast mich zur Weißglut gereizt, aber du bist auch eine verdammt gute, was sag ich, eine hervorragende Schauspielerin. Aus dir könnte noch was werden.“

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 29658

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben