Wie gebannt vom grauen Blick der Nymphe wagt Lilly es nicht, sich zu bewegen, aus Angst das geisterhafte Wesen entweder zu verschrecken oder zu reizen. Doch plötzlich neigt dieses den Kopf leicht zur Seite – wieder klirren Ohrringe und Ketten – und hebt die linke Hand aus dem Wasser, um mit einer kleinen Bewegung fast fragend auf den Korb zu deuten. Lilly stockt der Atem, dann fängt sie sich, blickt zwischen den Korb und der Nymphe hin und her. „Das…das sind Brombeeren…“ flüstert sie schließlich zögernd, ehe ihr aufgeht, dass das Wassermädchen vielleicht gar nicht versteht, was sie da sagt. Vorsichtig greift sie nach dem Korb, zieht das Tuch beiseite und zeigt ihr den Inhalt: dunkel schimmernde Beeren. Nie Nymphe blickt neugierig, streckt die Hand abermals aus, als wollte sie in den Korb greifen, doch hält dann inne und blickt Lilly abermals aus unergründlichen grauen Augen an. Diese hebt die Augenbrauen: „Möchtest…möchtest du probieren?“ Sie nimmt eine besonders schöne Brombeere aus dem Korb und hält sie der Nymphe hin. Doch statt sie entgegenzunehmen, beugt die sich nur ein wenig vor und öffnet – den Blick immer noch auf Lillys Augen gerichtet – leicht die vollen, ein wenig zu blassen Lippen. Lilly zögert einen Moment, dann streckt sie den Arm aus und schiebt die Brombeere sanft zwischen die Lippen der Fremden. Kurz streift ihre Fingerkuppe dabei deren Unterlippe und Lilly schaudert leicht unter der überraschenden Kälte. Die Brombeere scheint zu schmecken, die Fremde leckt sich über die Lippen und macht dann eine kleine auffordernde Geste mit dem Kinn. Diesmal zögert Lilly nicht mehr, sondern greift eine zweite Brombeere und schiebt auch diese vorsichtig zwischen die verlangenden Lippen. Das Spiel wiederholt sich ein drittes und ein viertes Mal, und die Nymphe schluckt die süßen Beeren immer rascher und gieriger herunter. Nach der fünften Beere packt sie dann plötzlich, als Lilly den Arm zurückziehen will, deren Handgelenk mit ihren schlanken und beinahe eisigen Fingern. Lilly keucht erschrocken auf, doch die Nymphe führt nur sanft Lillys Finger an ihre Lippen und leckt langsam und vorsichtig den dunkeln Brombeersaft von ihren Fingerspitzen. Lilly beobachtet sie gebannt, ein seltsames Kribbeln rast ihren Rücken hinunter, während die Zungenspitze der Fremden um ihre Finger gleitet. Die Nymphe hat den Blick nun gesenkt, und so fest ihr Griff im ersten Moment war, so sanft sind ihre Berührungen nun, als sie Lillys Hand sacht herumdreht und ihre Zunge die Finger hinauf bis zur Handfläche wandert, bevor sie mit kalten Lippen einen Kuss auf ihr Handgelenk drückt. Lilly schaudert abermals, doch nicht mehr nur wegen der Kälte. Ohne den Blick zu heben wandern die Lippen der Nymphe weiter, die Innenseite von Lillys Unterarm hinauf bis zur Armbeuge, während sie Lilly dabei sanft ein wenig näher zu sich zieht, so dass diese sich vorbeugen muss – und dabei kaum zu atmen wagt.
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