Oh du fröhliche....!

Eine Weihnachtsgeschichte der "etwas anderen Art"!

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Oh du fröhliche....!

Oh du fröhliche....!

Angela

An Weihnachten wollte die Domina heiraten. Sie hatte genug gespart, um allen Sklaven für immer „Tschüs“ zu sagen.
Nicht ohne Wehmut verschickt sie die Verlobungsanzeige in der Form eines Adventskalenders. Ihre erste Idee war ein gekauftes Märchenschloss, das sie mit einem prächtigen Aktfoto von sich unterlegte. Die geöffneten Fenster zeigten auf dezente Weise nur winzige Details ihres immer noch jugendlich wirkenden Körpers

Aber Sie war mit dem Ergebnis nicht zufrieden. In jede Luke kam nun stattdessen ein buntes Präservativ, der letzte vom 24. Dezember war mit Juckpulver präpariert.
Sie verwarf auch diesen Einfall; die Sklaven sollten den Ernst der Situation erfassen. Sie kopierte stattdessen das altbekannte Weihnachtslied:„Sah ein Knab´ ein Röslein stehn“, zerschnitt das Blatt in 24 Puzzlestücke und verteilte sie im Kalender. Am Heiligabend konnte ein gebildeter Mensch alle Strophen wiedervereinigen.
Insider wurden durch die zarte Anspielung der Zeile „Röslein sprach ich steche dich“ an die Qualen vergangener Zeiten erinnert.

Nicht mehr lange und das andere Leben konnte beginnen. Sie freute sich schon darauf, endlich die neuen Sachen die sie eingekauft hatte auch tragen zu können.
Die alten Klamotten hatten endgültig ausgedient und wurden umweltbewusst entsorgt.
Die Ledersachen übergab sie den „Hell Drivers“, diverse Halsbänder dem ortsansässigen Rassehunde Verein. Die Peitschen und Klammern wurden dem gastierenden Zirkus überlassen. Statt der hohen, schwarzen Lackstiefel wollte sie fortan zu Hause nur noch bequeme, rosa Plüschpantöffelchen tragen, so kuschelig- weich wie kleine Kaninchen.

Die engen, kalten Latexhosen und die kratzenden Lurexblusen übergab sie der Kleiderkammer der Heilsarmee und ersetzte sie durch einen Hausanzug aus weichem Samt, er war so nachgiebig und warm und sie fühlte sich so wohl darin wie in Omas Angoraunterwäsche.

Das endgültige Aus für Strapse & Co war gekommen. Sie warf sie einfach in den Mülleimer. Stattdessen hüllten handgestrickte Wollsocken aus reiner, naturbelassener Schafwolle ihre zierlichen Füße ein.

Das Bett war nicht mehr mit glänzender, glatter Satinbettwäsche bezogen, sondern blauweiß karierter Biber mit kleinen Streublümchen sollte fortan in die Betten locken.

Sie schwor sich. “Nie wieder werde ich in winzigen Dessous frieren, nie wieder eng verschnürt in starren Korsagen für irgendwelche geil, glotzenden Sklavenaugen posieren. Nie wieder hauteng, hart, spitzig, streng, scharf, war ihre neue Devise
Chrom und Acrylmöbel schleppte ein überglücklicher Trödler davon.
So langsam – Schritt für Schritt entstand aus dem Haus, dass einst der gestrengen Herrin als Domizil diente und so manchen Sklavenschrei verschluckt hatte, ein wohliges Nest mit Chintzgardinen, gediegenen, rustikalen Möbeln, spießig, heimlich, überheizt und vollkommen normal.

Vor allem der Keller wurde komplett umgestaltet. Haken und Oesen wurden abmontiert, das Kreuz, an welchem die Sklaven vergangener Tage Höllenqualen gelitten hatten, wurde von der Wand geschlagen. Der Käfig, in dem So mancher Sklave eine harte Nacht verbracht hatte, wurde entfernt und durch Regale mit Eingemachten ersetzt. Den Raum strich sie persönlich in einem hellen, freundlichen Ton und die strengen Gerüche versuchte sie durch aufgestellte Duftkerzen und eingelagerte Äpfel zu vertreiben.

Oliver, der Mann an ihrer Seite, war eine Seele von einem Mann und dann war da noch das Baby in ihrem Bauch. Beide waren der Grund warum sie ihr Leben umgekrempelt hatte.
Er sagte zu allem ja und amen und freute sich sehr auf sein erstes Kind.
Mit siebenunddreißig Jahren war dies vielleicht die letzte Möglichkeit ihrem bisherigen Leben noch eine Wendung zu geben. Das wusste die Domina nur zu genau und hatte diese Gelegenheit sofort ergriffen.
Gut das ihr Mann nur eine schwache Ahnung von der Quelle ihres so mühsam erarbeiteten Reichtums hatte.

Sie fand es süß, wie er von Frankreich schwärmte. Einige Jahre zuvor, nach seiner Gesellenprüfung, war er mit dem Campingwagen in die Provence gefahren. „Die feiern dort Sylvester mitten im Sommer!“, hatte er ihr staunend erzählt.

Die Domina belächelte seine Naivität und belehrte ihn, dass es sich dabei um den Nationalfeiertag handelte. Sicher gab es Länder, die unsere jahreszeitlichen Feste auf den Kopf stellten, aber unsere europäischen Nachbarn gehörten nicht dazu, sagte sie damals mütterlich zu ihm.

Oliver fand es dennoch praktisch in lauschiger Sommernacht das prächtige Feuerwerk zu genießen und sich nicht regelmäßig die Grippe dabei zu holen.

Origineller Weise hatte er vorgeschlagen das Weihnachtsfest dieses einzige Mal nur auf den Sommer zu verlegen um dann, mit dem frisch geborenen Kind, ein ländliches Picknick im Grünen zu veranstalten, geschmückter Christbaum und Grillhähnchen inbegriffen.

Sie hatte diesem reizvollen Angebot mit herzhaftem Lachen wieder standen.
Für sie musste der Schnee leise rieseln und seine warme weiche Decke silbrig funkelnd über die Natur ausbreiten. Der See still und erststarrt liegen. Nur so kam sie in die richtige Weihnachtsstimmung.

Picknick im Grünen – eine windige Erinnerung schoss ihr durch den Kopf und lies sie frösteln.
Zwei Herren in korrekter, ja warmer Kleidung, zwei Gespielinnen bibbernd vor Kälte.
Das ewige Los ihres Berufes: Frieren.

Ein Mäzen der frühen Jahre liebte es, impressionistische Bilder nachzustellen – immer noch nobler zwar als die Wünsche späterer Kunden, aber die Gemälde waren stets nach den Kriterien weiblicher Blöße ausgesucht. Ein Frühstück im warmen Bett, das ihr vom aufmerksamen Ehegatten seviert wurde, gefiel ihr allemal besser als auf nassem, nicht gerade einladenen Moos.

 

Sie würde sich von nun an gehen lassen, nach Lust und Laune fett werden, sich nicht jeden Tag die Haare stylen und nie wieder die vorgegebene, stolze Haltung annehmen. Sie wollte sich so verhalten wie alle anderen Frauen in ihrem Alter das auch taten.
So wie alle anständigen Muttis, wollte sie jetzt kochen und Plätzchen backen; das klägliche Resultat waren jedoch klebrige, kleine Fladen, die nicht im mindesten den kunstvollen Gebilden ähnelten, die ihre Sklaven im Advent mitzubringen pflegten.

Es war nicht nur der Neid, der sie plagte, zuweilen war es große Wut auf die selbstgerechten Gattinnen, die das Weihnachtsgebäck so professionell hinkriegten.
Sie spielten zu Hause die unterwürfigen Dienerinnen ihrer angetrauten Ehemänner und überließen es den Dominas die unangenehme Aufgabe zu übernehmen, den Haustyrannen entsprechend seinen Verfehlungen zu züchtigen und zu bestrafen.
Keine von diesen biederen Hausmäuschen wusste, wie anstrengend die Rolle der stets kreativen Gebieterin war, wie müde die Beine nach vielen Stunden des Gehens in hochhackigen Stilletos, oder in engen Stiefeln wurden. Wie einengend eine geschnürte Korsage sein konnte.........
Aber die Domina ahnte, dass auch ihr neuer Status nicht so einfach war wie es im ersten Moment aussah und das er anders geartete Probleme mit sich brachte.

Schon die Sache mit der Weihnachtsgans.

Fünfmal hatte sie mit Ihrer Schwester telefoniert, bevor sie sich daran gewagt hatte. Das ebenso große wie fette Tier musste gefüllt, wieder zugenäht und mit Majoran eingerieben, dann drei Stunden lang im Backofen gebraten werden. Erst am Heiligen Abend kam Oliver von der Montage zurück, sie wollte ihn mit einem aufwendig im herkömmlichen Stil geschmückten Tannenbaum, selbstgebackenen Plätzchen und dem duftenden, knusprig gebratenen, Gänsebraten, den er so liebte, überraschen. Niemals hätte sie gedacht, dass dies alles fast so stressig war wie eine Berufsnacht mit ihren Stammgästen.

Aber ihre Bemühungen waren vom Erfolg gekrönt. Weil sie es nicht mehr aushielt, zündete sie bereits um fünf die Kerzen an, legte eine stimmungsvolle Weihnachts-Cd auf und setzte sich mit Oliver zusammen an den, festlich geschmücktenTisch.

Er war noch zu jung um einen Anzug zu besitzen, dafür hatte er sich mit funkelnagelneuen Jeans, einem Kaschmirpullover, welcher ein früheres Geschenk der Domina war und weißen Turnschuhen feingemacht.
Die Domina umhüllte eine Tunika aus fließendem goldenem Nikisamt.

Der Rotkohl von „Hengstenberg“, die Knödel von „Pfanni“ – das ersparte ihr viel Zeit und Arbeit und ihr angetrauter Gatte hatte es auch nicht bemerkt.
Die Gans war tatsächlich so wie sie sein sollte, braun und knusprig und lag, herrlich duftend, auf einem silbernen Tablett, so dass beiden das Wasser im Munde zusammenlief
Oliver langte bei seinem Lieblingsgericht kräftig zu. Der Domina schmeckte es ebenfalls so gut, das sie jeden Finger einzeln ableckte.

Jäh wurde die weihnachtliche Familienidylle unterbrochen, als es mitten beim Essen plötzlich stürmisch schellte. So vollgestopft wie die halb verzehrte Gans, konnte sie es nicht verhindern das Oliver, schneller als sie es konnte, aufgesprungen war und zur Tür eilte. Sie lauschte angestrengt durch die nur angelehnte Wohnzimmertüre. Oliver sprach mit einem Mann, dessen Stimme, oh welch ein Schreck, ihr nur allzu gut bekannt war.

„Sie können mich doch nicht für dumm verkaufen“, polterte der Mann namens Dr. Martin Semmelbrot ungehalten und las laut vor was auf dem Namensschild an der Türe stand:
„ANGELA UND OLIVER MANNER, hier gab es doch noch vor wenigen Wochen einen SM-Club......“, sagte er ungläubig.

„Was sollte hier gewesen sein?“ fragte Oliver sichtlich irritiert, jedoch freundlich.

Schon kam mit wallendem Gewand die Domina an die Türe gerauscht und warf Martin einen warnenden Blick zu.
„SM“ heißt Schachmeister“, behauptete sie geistesgegenwärtig.

Martin lachte.

Schnell schickte sie ihren Mann aus der Gefahrenzone um in der Küche um die Gänsereste in den warmen Backofen zu schieben.

„Hast du meinen Brief nicht bekommen?“ fragte sie in gewohnter, alter Strenge.
„Ich habe vor zwei Wochen mit dem Job aufgehört und bin jetzt eine solide, verheiratete Frau geworden.“

„Das waren deine Kolleginnen auch,“ maulte Martin. „Lass mich rein, ich habe dir ein Lackmieder als Weihnachtsgeschenk mitgebracht.“
„Lackmieder, Lackmieder“ keifte sie schrill.
„Was ich brauche ist einen Still BH, ich bin schwanger!“

Martin begriff nun gar nichts mehr und sah die Domina verdattert und ungläubig an. Er war einige Monate im Ausland gewesen und hatte die Post mit ihrer Mitteilung nicht erhalten. Nun bestand er auf sein recht als Stammkunde auch an den Feiertagen seine angestammte Behandlung zu bekommen.

Die Domina rang vergeblich die Hände.

„Ich habe doch alles weggegeben, es gibt keinen Pranger, keine Ketten, keine Schlaginstrumente, keine dir noch so bekannten Folterinstrumente mehr in diesem Haus........ tut mir leid.“

Oliver kam wieder an die Türe zurück.

“Du kennst ihn?“, fragte er schon etwas misstrauischer.
Seine angetraute Ehefrau nickte.

In diesem Moment rastete Martin aus. Wochenlang hatte er sich auf Weihnachten im Folterkeller gefreut.

„Wenn ich nicht reindarf, lege ich mich vor die Tür und heule die ganze Nacht wie ein Wolf!“ drohte er

„Ja, was wollen Sie denn hier bei uns?“ Oliver war nun sichtlich irritiert.

„Von ihnen gar nichts“, sagte Martin, nur von ihr und deutete dabei auf die Domina.

„Ich will gedemütigt werden, geschlagen, geohrfeigt und festgebunden...... Ich will ihr Sklave sein!“

“Er ist offensichtlich verrückt“, sagte Oliver, zuckte mit den Schultern und schmiss die Türe zu.
Kaum hatten sie wieder am Tisch Platz genommen und angefangen die Rotweincreme von Dr. Oetker zu löffeln, heulte es draußen in der Tat jämmerlich und herzerweichend los.

Ungerührt widmete sich die Domina ihren Geschenken. Eine Küchenschürze mit aufgesticktem Schriftzug „Home sweet Home“ und einen rosafarbener Strampelanzug für die erwartete Tochter, kamen aus den diletantisch, aber liebevoll verpackten Weihnachtsgeschenken zum Vorschein. Sie war davon begeistert. Oliver hängte stolz seine neue Kuckucksuhr auf.
Vor dem Haus heulte der Wolf, die Glocken klangen und der CD-Player dudelte immer noch besinnliche Weihnachtslieder. Den Background bildete das imitierte Wolfsgeheul.

Schließlich war die Domina, genervt zu einem erneuten Gespräch bereit.

Martin fragte“. Irgendwas wirst du doch noch haben – wo sind zum Beispiel die Tierfelle geblieben?“
„Behinderten-Werkstatt.“
„Und die Videos?“
„Altersheim“
„Die Masken?“
„Beim Karnevalsverein.“
„Die Augenklappen?““
„Im hiesigen Krankenhaus.“

Martin wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Sie bekam Mitleid mit ihm.
„Gut, du sollst am Heiligen Abend nicht vor meiner Türe erfrieren. Komm meinetwegen rein, aber nur in die Küche“.

Sie drückte ihm die Spülbürste in die Hand.
„Kannst ja schon mal anfangen. Nur keine falschen Hoffnungen bitte!“

Ihrem Mann fehlte noch immer der richtige Durchblick.
„Woher kennst du den Typ?“, fragte er nachdenklich.
„Ein früherer Kunde.“

Ihr frisch angetrauter Ehemann glaubte, dass sie an einer Bar bedient hatte.

„Beruf?“
„Direktor bei der Raiffeisenbank.“

„Dann werde ich sofort zur Sparkasse wechseln!“

„Aber nein,“ sagte die Domina, „doch nicht hier bei der hiesigen, ganz woanders natürlich. Außerdem ist er brilliant in seinem Job. Komm wir sehen mal nach ihm, vielleicht hat er sich inzwischen ja etwas beruhigt.“

Das Paar betrat Arm in Arm die Küche.
Martin schrubbte hingebungsvoll. Er sah die Domina mit einem hündischen Blick an.

„Quäle mich, bitte!“ jaulte er.

Oliv
r war sprachlos.

„Hol die Absperrkette von der Garageneinfahrt!“ befahl sie, im altgewohnten Ton, ihrem angetrauten Gatten.

Irgendwo im Heizungskeller versteckt lagen ja noch die Fußeisen, da ihr bis jetzt noch kein geeigneter Abnehmer eingefallen war.
Gemeinsam ketteten sie den Sklaven an die Küchenheizung. Obgleich die Domina erst wenige Plätzchen und die Weihnachtsgans in ihrem neuen Ofen zubereitet hatte, war er schon ziemlich verschmutzt, was vielleicht auf Ihre Unerfahrenheit zurückzuführen war. Auch die Backbleche zeigten einen unappetitlichen, fettig-bräunlichen Belag. Martin bekam Scheuerpulver und einen Eimer mit eiskaltem Wasser hingestellt und war so für die nächste Zeit vollauf beschäftigt.

Nachdem das unterbrochene Dessert beendet war, glättete die Domina sorgfältig das Geschenkpapier und faltete es zusammen. Oliver wickelte die Bändchen auf so gut es ging. Sie kuschelten sich zusammen auf das Sofa und diskutierten zum x-ten Mal über den zukünfigen Vornamen ihrer Tochter, als es zum zweiten Mal an der Eingangtüre klingelte und ihre Idylle unterbrochen wurde.

Die Domina wollte nicht öffnen, aber Oliver hatte Geschmack an der neuen Freizeitbetätigung „Sklavenhaltung“ gefunden.

„Ich muss nach den Feiertagen ins Bergische“, sagte er, „sei so lieb und lasse den Neuen die Winterreifen montieren und den Wagen waschen.“

Der kluge Junge hatte rasch begriffen, dass die Befehle nicht von ihm ausgehen durften.

Schwerfällig und wiederwillig schlurfte die Domina in ihren rosaroten, synthetischen Plüschpantoletten zur Haustüre.
Dort stand Hans Meier, welch eine Vorsehung, denn er war Chef vom größten hiesigen Autohaus. Sein Weihnachtsgeschenk ein scheuernder Lederbikini.

Die Domina ließ sich nicht auf lange Diskussionen ein und wies ihm den Weg zur Garage. Damit die Arbeit nicht zu einfach wurde, schüttete sie den Müllsack mit den schmierigen Gänseknochen über der Kühlerhaube aus.

Hans sagte: “Solch einen Schweinkram würde er nicht mal einen Azubi zumuten“ und wurde für unerlaubtes motzen mit dem harten Schlag einer abgenagten Gänsekeule bestraft.
„Mehr!“ verlangte er mürrisch.l

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“; sagte sie und er begann sofort emsig mit seinem Auftrag.

Danach ketteten sie Martin im Bad an; er hatte an seiner Leine genügend Bewegungsfreiheit und WC, Waschbecken und Wanne brauchten ohnehin eine gründliche Reinigung. Martin fühlte sich großartig, denn Oliver hatte ihn „Meister Propper“ getauft.

Mit viel Einfühlungsvermögen überlegte sich die Domina, dass er auch die Stätte seiner früheren Lustqualen – den Keller - säubern sollte.
Die Streckbank war noch vorhanden weil Oliver, in Unkenntnis ihres Zweckes, einen Gartentisch daraus bauen wollte.
Martin durfte sie grün pinseln.

„Was machen wir wenn der nächste kommt?“ fragte Oliver fröhlich, der mittlerweile Gefallen an der ungewohnten Situation gefunden hatte. In Gedanken gingen sie die einzelnen Zimmer durch. Die Betten konnten einen frischen Überzug gebrauchen, die Fenster sollten geputzt, die Treppe gekehrt und die Kühltruhe musste gründlich gereinigt werden.
„Was haben die anderen für Berufe?“ Oliver war neugierig geworden.

Die Domina konnte stolz berichten, dass nur Männer in Führungspositionen zu ihren Gästen gezählt hatten.

Bis auf einen Studenten, der seine Doktorarbeit über mich schrieb. Der Pianist hatte schon viele Konzerte gegeben, der Finanzmann war ein hohes Tier in der Regierung..“
„Der eine könnte die Steuererklärung machen, der andere uns etwas vorspielen, wenn wir am prasselnden Kaminfeuer sitzen“.

„Nein, das ist keine Sklavenarbeit, keine Bestrafung“, entschied die Domina.

In Gedanken ließen sie den Pianisten die blauen, steifen Monteur-Overalls von Oliver bügeln und den Finanzmenschen Schuhe und Silber putzen.

Schließlich hatten sie genug von fiktiven Spekulationen und Oliver holte das Backgammon damit sie sich etwas die Zeit vertreiben konnten.

Als sie das Personal schon fast vergessen hatten, traten die beiden Sklaven plötzlich und ohne demütig anzuklopfen und zu fragen, ins Wohnzimmer um zu streiken.
Hans hatte Meister Propper wohl aufgewiegelt.

„Wir sind Sex- und keine Putzsklaven! Wo bleibt unsere Belohnung?“, tönten sie einheitlich.

„Erst einmal drei Blaue von jedem auf den Tisch“, sagte die Domina sanft, „dann dürft ihr ein Plätzchen nehmen.“

In diesem Moment sprang der Kuckuck achtmal aus seinem Häuschen in der neuen Kuckucksuhr.

„Um Gottes willen!“ rief Hans aufgeregt. „Ich hatte meiner Frau versprochen um sieben zur allgemeinen Familienbescherung wieder zu Hause zu sein! Was mache ich nur jetzt?“
Alle dachten angestrengt über eine plausible Ausrede nach. Dabei fiel Martin ein, dass er ja mit seiner Mutter die Christmette besuchen sollte.
Seine Frau hatte ihn schon vor einiger Zeit verlassen, nachdem sie von seinem speziellen Hobby und den gelegentlichen Besuchen bei Madame erfahren hatte.

„Am besten wirkt immer ein Unfall,“ sagte Oliver, „dann sind immer alle voller Mitleid und denken gar nicht mehr daran Stress zu machen, sondern sind froh den Hausvorstand, allen widrigen Umständen zum Trotz, wieder wohlbehalten zu Hause zu haben.

„Woher kennst du dich so gut aus?“ erwiderte die Domina spitz, aber nicht ohne Bewunderung.

„Was für ein Unfall?“ fragte der sichtlich nervöse Michael. Soll ich mir etwa ein Bein brechen und im Krankenhaus landen?“

„Nein, beschwichtigte ihn Oliver, ihr Auto soll einen Unfall haben, nicht sie!“

Für Autos war Hans zuständig.

„Null Problemo“, sagte er, „nichts ist einfacher als das. Wir könnten einen kleinen, harmlosen Zusammenstoß mit etwas Blechschaden arrangieren.“

Oliver rieb sich in freudiger Erwartung die Hände.
„Aber nicht direkt vor unserer Haustüre,“ sagte die vorsichtige Domina.

Hans entdeckte das Klavier in einer Ecke des Raumes.
„Hab ihr schon Weihnachtslieder gesungen?“
Er klappte den Deckel zurück und rückte sich den kleinen Schemel in Position.
Alle sahen ihn verwundert an.
„Bevor wir auseinandergehen, könnten wir doch noch „Oh du. Fröhliche “......... zusammen anstimmen.
„Warum nicht, das gibt dem ganzen einen sehr schönen, besinnlichen, weihnachtlichen Abschluss“, sagte die Domina.

Hans begann zu spielen. Martin und die Domina sangen aus vollem Halse mit.
Oliver kannte dergleichen Lieder weniger.
Aber auf Dauer hatten die beiden Unfallkandidaten in Spe keinen Spaß mehr am Gesang.

„Wer von uns wird der Verursacher?“ fragte der Banker fachmännisch.
„Von mir aus meine Wenigkeit,“ sagte Hans „ich fahre ohnehin einen Vorführwagen, Vollkasko versichert. Aber dafür müssten Sie mir schon etwas......
„Ich bitte Sie, das können Sie doch alles von der Steuer absetzen, aber dabei werde ich Ihnen gerne behilflich sein,“ sagte gönnerisch Hans

„Na, dann wollen wir mal“, leise flüsterte Hans dabei Martin ins Ohr.
“Das Studio in der Südstadt hat vielleicht noch auf.“

„Leider nicht, ich habe mich erkundigt, die haben bis Neujahr geschlossen, leider!“
Für den großen Crash zogen sich alle warm an, denn er sollte ja nicht direkt vor der Haustüre stattfinden.

Oliver tauschte mit Hans den Mantel, das heißt er drängte dem Autohändler kurzfristig und spaßeshalber seinen schon etwas angegammelten Parka auf und zog dafür dessen warmgefütterte, nagelneue Büffellederjacke an.

„Aber erst die Scheine auf den Tisch!“ mahnte nach alter Gewohnheit die Domina, dann setzte sich der kleine Zug der Verschwörer in Bewegung.
Die Duellanten besaßen Nobelkarossen, die sie behutsam auf die verschneite, einsame Landstrasse lenkten. Das Fußvolk zockelte hinterher, die Domina hatte aus Versehen noch in ihren Pantoffeln.

„Gut, dass ich ihnen nur Plätzchen gegeben habe,“ sagte sie mütterlich „als hätte ich es gewusst!“

Oliver zeigte, dass er etwas von Organisation verstand. Wie ein erfahrener Sekundant wies er den beiden Masochisten die Plätze an, stellte sich selbst in die Strassenmitte und schwenkte das Feuerzeug, als Zeichen, dass nun losgefahren werden konnte.

Als wahrer Kavalier eilte er aber sofort wieder schnurstracks zur Domina, um sie bei einer möglichen Ohnmacht aufzufangen.

Die Spannung wuchs. - Wie in einem gefährlichen Stunt schossen die schweren Wagen aufeinander zu.
Sie streiften sich aber nicht, wie es abgesprochen war, sondern schlingerten plötzlich. Die beiden Fahrer schienen unerwartet die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren zu haben und krachten schließlich mit schauerlichem Getöse ineinander.

„Die Polizei ist bestimmt in Windeseile da“, sagte Oliver, „ nichts als weg hier!“

„Sieh erst mal nach“, sagte beunruhigt und ungeduldig die Domina, „warum steigen die beiden denn nicht wie besprochen aus? Was ist nur passiert?“

Flink wie ein Wiesel näherte sich Oliver der Unfallstelle und steckte den Kopf abwechseln durch die zerborstenen Wagenscheiben ins Wageninnere. Erfolglos sprach er auf Martin und Hans ein, keiner von beiden machte die geringsten Anstalten auszusteigen.
Oliver knipste das Feuerzeug wieder an und gab der Domina Zeichen, den Daumen hielt er nach unten.

Sie fiel in Ohnmacht und sank ohne jeglichen männlichen Beistand in den frisch gefallenen Schnee.
Oliver eilte sofort zu ihr und auf seinen Zuspruch hin, öffnete sie die Augen und befahl sofort zu verschwinden, damit sie nicht als Zeugen womöglich noch aussagen mussten. Einige Minuten später, befanden sie sich wieder in der warmen Stube, schälten sich aus ihren Jacken und ließen sich, noch völlig durcheinander von den soeben erlebtem, am Esstisch nieder.

„Beide waren ziemlich hin“; sagte Oliver mit Bedauern in der Stimme.
„Schade um sie“, sagte nun auch die Domina.

Kurz darauf hörte man schon die Sirenen der herannahenden Polizei.
Wie ein kindlicher Mystiker grübelte Oliver.

“Ob sie in den Himmel kommen?“

Die Domina verneinte“. Die sind in der Hölle besser aufgehoben.
„Stell dir vor: ein schwarzer weiblicher Teufel in hohen Stiefeln und mit knackigen Rundungen, pisackt die beiden unaufhörlich mit einer Mistgabel in ihren Allerwertesten.“ Flachste die Domina schon wieder.

Oliver nickte zustimmend und blickte versonnen vor sich hin..
Schließlich zog er seine schwere, neue Jacke wieder an um den Stand der Dinge am Unfallort zu inspizieren.
Nach fünf Minuten war er zurück und konnte berichten, dass die Polizei weg und die Unfallwagen bereits abgeschleppt waren.

Die Domina öffnete die Haustür und sog die frische, kalte Winterluft ein. Oliver legte den Arm um sie und zog sie an sich. Beide legten den Kopf zurück und blickten versonnen hinauf zu den blinkenden Sternen.
„Freu dich doch,“ sagte er, „vielleicht sind sie ja in ihrem Paradies bei der schwarzen Teufelin“.

„Mein Lieber“, sagte die Domina: „da scheint mir aber etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein! Das waren doch keine betrunkenen Jugendlichen, sondern erfahrene Männer...“

Oliver zwinkerte ihr zu.

„Ach, sieh mal was der Autohaus-Hans in der Tasche hatte,“ sagte Oliver beiläufig und kramte aus der Tasche der fremden Jacke ein leeres Ölkännchen.
„Als ich beim Unfall den Sekundanten spielen sollte, hatte ich zufällig das von Hans benutzte Ölkännchen entdeckt und ganz in Gedanken die Straße etwas damit eingesprengt“, sagte er und grinste dabei über das ganze Gesicht.

Die Domina lächelte weise wie besagte Mona Lisa.

„Aber Schatz, warum denn nur? Die hatten dir doch nichts getan, im Gegenteil – sie hatten sich noch stundenlang nützlich gemacht.“
Oliver zog seine geliebte Frau an der Hand ins Haus und den Büffel aus.

„Weißt du,“ sagte er, „ich konnte sie nicht ausstehen. Das wollten Männer sein – kriechen vor einer Frau im Staub und verlangen Demütigungen und Haue!“

„Du hast recht, nach meinem Geschmack waren sie auch nicht gewesen. Aber zu ihrer Entschuldigung muss ich sagen, dass sie tüchtige, erfolgreiche Männer mit einem fast intakten Familienleben waren.“

Oliver nahm seine Frau auf den Schoß, herzte und küsst sie. Den guten Augenblick nutzend, fing die Domina an erleichtert, ein wenig zu beichten.

„Ich hatte nie besonderen Gefallen daran, ehrlich. Das musst du mir glauben! Aber andererseits – es war immer noch besser als der lausige kalte Straßenstrich, oder irgendein langweiliger sich stets wiederholender Bürojob mit einem ständig notgeilen Chef.“

„Ich weiß“, sagte Oliver liebevoll verständig. „Im Grunde deines Herzens wolltest du lieber die Devote spielen; aber du hast mich belogen!“

„Nein“, sagte die Domina, „nur ein bisschen gemogelt! Ich war nie Barfrau, ist das denn so schlimm?“

Oliver zog ein längliches, verpacktes Geschenk mit großer goldner Schleife unter dem Sofa hervor und überreichte es der verdutzten Domina

„Böse, ungehorsame Mädchen müssen bestraft werden“; sagte er und sah erwartungsvoll zu wie seine Frau eine Wäscheleine und einen fast antiken Teppichklopfer aus dem goldenen Geschenkpapier hervorholte.

„Ich weiß doch, was eine Frau sich wirklich wünscht!“

Er fesselte die überraschte Domina mit der kratzigen Leine und da die frisch gestrichene Streckbank noch nicht getrocknet war, legte er sie kurzerhand über seine Knie, ihre lautstarken Proteste ignorierte er.

Während er wie ein zorniger Weihnachtsmann den Teppichklopfer zweckentfremde um ihn auf ihrem Hintern tanzen zu lassen, rief er immer wieder:

Eine anständige Frau bringt an Weihnachten kein Dosenkraut und keine Fertigknödel auf den Tisch. Merk dir das!“

Oh, du fröhlich.........!

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