Ihr Schamhaar war kunstvoll zurecht gestutzt, so, dass sie nicht ganz nackt wirkte, der Verlauf ihrer Venuslippen aber doch genau zu erkennen war. Jetzt erst trat der Hüne wieder in Aktion. Er stand auf, verneigte sich vor der Nackten, kniete sich wieder hin und bearbeitete Ophelias Füsse mit zwei Pfauenfedern. Die Wirkung liess nicht lange auf sich warten. Ophelia lachte mit einer Stimme, die mir direkt ins Herz fuhr, und bewegte ihre Schultern, so gut, wie das mit fixierten Handgelenken möglich ist.. Erneut bewegte sie ihr Becken und bäumte sich auf. Wie ein Naturereignis wirkte sie inmitten der Fackeln; die eine blendete mich derart, dass ich die turbanbekleideten Männer nur noch schemenhaft erkannte. Der Hüne kitzelte unbeirrt weiter. Ophelia sank wieder in sich zusammen. Das feuchte Glitzern zwischen ihren Venuslippen zog jetzt doch etliche Blicke auf sich; aber noch immer konzentrierten die Männer sich auf Ophelias Füsse. Ich stand wie angewurzelt und versank in Ophelias Augen. Sie schien mich einnehmen zu wollen – und in diesem Moment hatte ich das Gefühl, etwas für uns zwei Frauen tun zu müssen. Ich trat aus meinem Sandkreis heraus, verlagerte mich nach rechts und beugte mich über sie. Kurz darauf versanken wir in einem innigen Zungenkuss. Ophelias breite, feste Lippen werde ich nie mehr vergessen. Im selben Moment bäumte sie sich wieder auf. Der Hüne kitzelte unentwegt. Schweissperlen bildeten sich an ihrem Hals und suchten sich den Weg zwischen ihre schweren Brüste. Ich schloss die Augen und küsste Ophelia erneut. Fast hätte mein Turban sich gelöst. Nur eine heftige Kopfbewegung der schwarzen Freundin rettete mich. Da umfasste mich von hinten einer der Männer und zog mich von Ophelia weg. Was ich da tat, war in dieser Gesellschaft natürlich zutiefst ungehörig. Wie hatte ich bloss so dumm sein können! Einer von Ophelias Trägern riss mir den einen Arm auf den Rücken, und ich wurde vor dem Zelt abgesetzt. Es war tiefe Nacht, und nur mit viel Glück fand ich zu meinem Schlafquartier zurück. Einen Tag später trieb mich die Neugierde nochmals an jenen Ort mit dem nachtblauen Zelt. Es war verschwunden. Was mit Ophelia geschah, werde ich wohl nie erfahren.
In Fès verschwindet manches im Nebel der Zeit. Nie dagewesenes präsentiert sich dem überraschten Besucher, Selbstverständliches aber entzieht sich auch dem schärfsten Blick. Am Ende eines entlegenen Gässchens befindet sich ein nachtblaues Zelt. Aussenstehenden ist der Zutritt strengstens verwehrt.
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