Die Gläser, die sie aus der Küche geholt hatte, waren absolut unpassend, Kindergläser mit Mickymaus Dekor. Aber das alles war in diesem Moment nicht wichtig, obwohl er sonst ziemlich etepetete war und Wert auf Stil legte. Viel wichtiger war, dass diese seltsame, kleine Frau ihn gebeten hatte, noch zu bleiben und dass sie jetzt zusammen auf der Couch saßen und dass er seit einiger Zeit ein seltsames, leises Kribbeln im Bauch spürte, das um so stärker wurde, je näher sie sich kamen. Obwohl, von wirklicher Nähe konnte keine Rede sein. Sie saß an dem einen, er an dem anderen Ende und um anzustoßen, mussten sie ihre Arme gehörig ausstrecken. Aber das irritierende Kribbeln war da und um sich abzulenken und weil er Durst hatte, leerte er das erste Glas mit dem warmen Riesling auf einen Zug. Sie nippte nur. „Great.“ „Der ist zu warm.“ “No problem.“ Er schenkte nach und riss die Tüte mit den Chips auf. “Ich mag Chips.“ „Me too.“ „Trink doch, der Wein ist sehr gut, das kannst du mir glauben. War auch nicht ganz billig.“ „I prefer orange juice.“ Sie stand auf, holte sich eine der Packungen aus der Küche und ein weiteres Mickymausglas und goss die gelbe Brühe hinein. Das Gespräch plätscherte noch eine Weile dahin, ein Austausch von Belanglosigkeiten und Nettigkeiten, eine Aneinanderreihung von nichtssagenden Anmerkungen. Für eine ernsthafte Unterhaltung war es einerseits zu heiß und andererseits, was hätten sie auch ernsthaft miteinander reden sollen, es gab ja so gut wie keine Gemeinsamkeiten. Doch dann kam unvermittelt ihre Frage.
Danach lagen sie dicht nebeneinander auf der Couch, tranken die Flasche Wein leer, eigentlich trank nur er, aßen die Chips auf, eigentlich aß nur sie. Sie hatte den Fernseher eingeschaltet und verfolgte Videoclips. Er war nach dem Akt erschöpft und träge, döste vor sich hin und betrachtete den spärlichen Nippes in den Fächern der Schrankwand, ein paar afrikanische Skulpturen, ein Aschenbecher aus schwarzem Holz.
Orangensaft
Hochhausromantik - Teil 1
26 10-16 Minuten 1 Kommentar
Orangensaft
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Ähhh… Verständnisfrage:
schreibt erikzion