Ossis Griff an Sillas Punze – und was aus ihm wurde

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Ossis Griff an Sillas Punze – und was aus ihm wurde

Ossis Griff an Sillas Punze – und was aus ihm wurde

Anita Isiris

Es wurde Frühling, und die Natur vervielfältigte sich in Flora und Fauna in wahrhaft prachtvoller Weise. Weidenkätzchen, Schmetterlinge, Kornblumen, Rispengräser, Kälber und Ferkel vermehrten sich oder kamen zur Welt, und sie gaben sich alle glücklich der Sonne und dem Frühlingshimmel hin, auf ein unbeschwertes Erdenleben hoffend, das für Kälber und Ferkel allerdings nur für kurze Zeit in Erfüllung ging. Dann wurden sie gepökelt, zerschnitten, gesalzen und, in Sicherheit vor den gefrässigen Ratten, von noch viel gefrässigeren Mägden an Schnüren an der Kellerdecke festgezurrt. Ossi verfolgte dieses Schlachten immer mit tiefer Trauer in den Augen, obwohl auch er gerne ab und zu in eine Blutwurst biss. Er war aber dem Leben zu sehr zugetan, als dass er es hätte ertragen können, wie junge Lebenslichter mir nichts, Dir nichts ausgelöscht wurden – vom Hilberenhofbauern, dem erfahrenen Schlachter, persönlich und von dessen älteren Knechten, die für Ossis sensible Ader nur Spott übrighatten. «Lieg erst mal zwischen den Schenkeln einer Frau», lachten sie, «nimm sie so richtig ran, greif ihr feste an die Titten, und dann wirst Du den Wert des Fleisches schon noch erkennen».

Ossi schauderte jedes Mal ob der derben Art, wie mit ihm gesprochen wurde, und ihm entging auch nicht, wie die älteren Knechte mit hungrigen Blicken Silla verfolgten, wenn diese, Wassereimer tragend, ahnungslos über den Hof ging. «Sie ist reif», murrten die Männer einander zu, «sehr, sehr reif». Ossi liess sich nichts anmerken. Längst hatte er für Silla in seinem Herzen ein Schloss gebaut, ein Schloss mit einem üppigen Garten, in dem seltene Pflanzen in nie gesehenen Farben wuchsen und Früchte zeitigten, deren Geschmack alles übertraf, das je mit einem menschlichen Gaumen in Berührung gekommen ist. Wenn er auf seiner Strohmatte lag, stellte er sich vor, wie Silla durch seinen Garten wandelte, ahnungslos und splitternackt, und seine Träume waren so heiss wie unschuldig.

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