Out of dreams

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Out of dreams

Out of dreams

Martina Bartels

Lea seufzte leise. Heute war überhaupt nicht ihr Tag und sie war absolut nicht in Fetenstimmung. Ausgerechnet heute sollte der neue Chef ihres Mannes mit einer offiziellen Feier vorgestellt werden. Schon morgens beim Cappuccino war ihr ein Gedicht in die Finger geraten, welches sie an alte Zeiten erinnerte.

*...die Neugier treibt *
doch Sehnsucht bleibt
......
erst die Lust
dann kommt der Frust
.......
was bleibt ist das Verlangen
der Sehnsucht verhangen
......

Lea schniefte und wischte sich über die Augen. Sie hatte heute genug geheult. Es reichte jetzt. Vorbei ist vorbei. Feierabend.
Wahllos griff sie einen schwarzen Minirock aus dem Schrank und ein passendes Top. Dazu schwarze, halterlose Strümpfe und einen langen Blazer.
Sie legte die Kleidung auf das Bett und ging hinunter ins Wohnzimmer. Lea beobachtete die Pferde auf der gegenüberliegenden Koppel, aber ihre Gedanken schweiften ab.
Ein Jahr wahr es jetzt her, dass sie nichts mehr von ihm gehört hatte. Sie hatten sich im Internet kennen gelernt und eine Weile zusammen gechattet. Mit der Zeit kannten sie sich immer besser und es knisterte zwischen ihnen. Er wusste, dass sie verheiratet war und hatte das von Anfang an akzeptiert. Beide wussten, dass es nie was werden konnte, aber sie waren machtlos. Sie hatten sich verliebt.
In einer langen Chatnacht tauschten sie ihre Telefonnummern. Jede Gelegenheit nutzten sie für endlose Telefonate. Es war Wahnsinn, sie waren sich so nah, und doch kannten sie sich nicht. Nicht mal ein Bild des Anderen hatten sie. Aber das war auch nicht wichtig. Seine Art zu Schreiben, seine Worte, seine Stimme, all das machte ihn aus, ihren Zauberer.
Ein verklärtes Lächeln spielte um Leas Lippen.
Schnell ging sie hinauf ins Badezimmer und stellte sich unter die Dusche. Während das heiße Wasser auf ihren Körper prasselte, wanderten ihre Gedanken zurück zu ihrem Zauberer.
Es wurde immer schwerer alles geheim zu halten. Lea hatte Steve gegenüber ein total schlechtes Gewissen, aber der Reiz war stärker. Sie redeten über Gott und die Welt und genossen die kostbaren Minuten. Er war beruflich sehr eingespannt und die Zeit war knapp. Sie sehnten sich nach einander und waren doch auch unzufrieden mit der Situation. Aber es gab keine Lösung.
Dann kam sein Anruf. Mein Engel, es tut mir leid, hatte er gesagt. Ich halte das nicht mehr aus. Ich liebe dich, aber ich mache Schluss. Dann war minutenlange Stille. Beide weinten wie die Schlosshunde. Keiner wusste mehr was er sagen sollte. Ich werde dich nie vergessen, mach es gut...ich denk an dich...Niemals wird Lea diese Sätze vergessen. Minuten des Schweigens erschienen ihr wie Stunden, dann war es vorbei.
Das Wasser wurde kälter und Lea begann zu frösteln. Sie verlies die Dusche und hüllte sich in ein flauschiges Badetuch.
Mensch, bleib mal auf dem Teppich, befahl sie sich selber. Wütend trocknete Lea sich ab und cremte sich mit einer duftenden Lotion ein. Jetzt fühlte sie sich etwas besser. Schnell schlüpfte sie in die bereitgelegte Kleidung.
Ihre schlanken Beine kamen in den schwarzen Strümpfen und dem kurzen Rock gut zur Geltung. Auf ihren hohen Absätzen stocherte sie ins Bad zurück und schminkte sich sorgfältig.
Zufrieden mit ihrem aussehen ging sie nach unten und goss sich ein Glas Sekt ein. Auf einen netten Abend, prostete sie sich selbst zu.
Lea schaltete das Radio ein und erstarrte.

Bin unter Tränen eingeschlafen, bin unter Tränen wieder aufgewacht.
Hab' über dieselbe beschissene Frage zwei Millionen mal nachgedacht.
Hab' mich verdreht und mich gewendet in demselben Scheißproblem.
Für dich ist es beendet aber ich, ich, ich kann dich sehen.
.......
Wenn das Liebe ist, warum bringt es mich um den Schlaf?
Wenn das Liebe ist, warum raubt es mir meine Kraft?
Wenn das Liebe ist, sag' mir was es mit mir macht?
Wenn das Liebe ist, was, was, was ist dann Hass?
Was ist dann Hass?
........
Tausend mal deine Nummer gewählt und tausendmal wieder aufgelegt.
Die ganze Kacke eh' keinem erzählt, wer versteht schon wie du mir fehlst?
Genau das bedingt den ganzen anderen Stress.
Leider kann ich nicht so viel trinken, dass ich, dass ich dich vergess !

Wie oft hatte sie dieses Lied schon gehört. Sie kannte jede Zeile auswendig. Liebte und hasste dieses Lied zugleich. Lea wollte das Radio ausschalten, doch wie um sich selber zu quälen drehte sie es nur lauter. Hastig trank sie ihren Sekt und füllte ihr Glas noch einmal nach. Minuten stand sie regungslos da, dann griff sie zum Telefon und bestellte sich ein Taxi.
Pünktlich erschien sie in der Firma und wurde mit viel Hallo begrüßt. Innerlich schwor Lea sich, einen netten Abend zu verbringen. Sie sah sich suchend um, konnte aber ihren Mann nirgends entdecken.
Lea lies ihren Blick schweifen, aber auch den neuen Chef konnte sie nicht entdecken. Rundum nur bekannte Gesichter. Ein Kollege ihres Mannes reichte ihr ein Glas Sekt. Lea bedankte sich und stellte sich etwas abseits, um den Trubel zu beobachten.
Da hörte sie Stevens Stimme hinter sich und drehte sich um. In seiner Begleitung befand sich ein Mann, so um die dreißig Jahre, groß, schlank...
Lea lächelte, dass konnte nur der neue Vorgesetzte sein.
"Hallo Schatz, da bist du ja, darf ich dir meinen Chef vorstellen, Herr Wolf." Steve hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
"Herr Wolf, das ist meine Frau", setzte er die Vorstellung fort.
Lea schenkte ihm ein Lächeln und reichte ihm die Hand.
"Freut mich sie kennen zu lernen Frau..." Herr Wolf ergriff Leas Hand.
Lea zuckte zusammen und mit einem lauten Klirren zerbrach ihr Glas auf dem Fliesenboden.
Sie spürte das sie kreidebleich wurde und Sterne tanzten vor ihren Augen. Lea wollte etwas sagen, doch kein Ton drang über ihre Lippen.
Diese Stimme, unter Tausenden hätte ich sie erkannt, dachte sie noch, dann begann der Boden sich unter ihr zu drehen und Lea fiel in Ohnmacht.
Herr Wolf warf Steve einen fragenden Blick zu, doch der zuckte nur mit der Schulter. Auch er konnte sich Leas Ohnmacht nicht erklären. Fassungslos kniete er neben seiner Frau und streichelte ihre Wange.
Da sie etwas abseits standen, hatte bisher niemand etwas von dem Vorfall bemerkt.
"In mein Büro?" fragte Herr Wolf seinen Mitarbeiter.
Steve nickte und griff unter Leas Arme und hob sie an. Sein Boss ergriff ihre Füße und gemeinsam trugen sie Lea aus dem Saal. Steve setze sie vorsichtig in den Schreibtischstuhl und bettete ihre Füße auf dem Schreibtisch.
"Wenn sie einen Moment hier bleiben, ich hole ein feuchtes Tuch und einen Schnaps für uns."
Steve ging zur Tür und verlies das Büro.
Aufmerksam musterte der Chef die schlanke Frau in seinem Büro. "Ausgesprochen hübsch", dachte er. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Warum sie wohl ohnmächtig ist..." überlegte er.
Lea stöhnte leise. Sie hörte ein lautes Summen in den Ohren. Vorsichtig öffnete sie die Augen, doch sofort wurde ihr wieder schwindelig.
"Frau Norden, hallo, da sind sie ja wieder." Erfreut beugte Herr Wolf sich über Lea.
Schlagartig viel Lea alles wieder ein und sie begann am ganzen Körper zu zittern.
"Aber was ist denn los mit ihnen?" Verwirrt sah er auf die zitternde Frau.
Lea öffnete die Lippen, doch es ertönte nur ein heiseres Krächzen. Schnell reichte er ihr ein Glas Wasser, was Lea mit zitternden Händen entgegen nahm. Gierig trank sie ein paar Schlucke. Dann sah sie ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
"Zau...Zauberer...bist du das wirklich..." flüsterte sie ganz leise.
"Was?" erstaunt sah er sie an.
Plötzlich veränderte sich sein Blick und seine Augen begannen zu strahlen.
"Engel, mein Engel, ich glaube es nicht..." Eine Träne lief über seine Wange und er zog sie stürmisch in seine Arme.
Lea konnte es kaum glauben. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, wie es wohl sein würde bei einem Treffen...Und jetzt lag sie in seinen Armen. Sanft wischte sie mit dem Zeigefinger seine Träne fort und zog die feuchte Spur mit der Fingerkuppe nach.
"Ich glaub es nicht, bist du es wirklich?" flüsterte Lea fassungslos.
Er nickte nur stumm und hielt sie eng umschlungen. Lea vergaß Raum und Zeit und wurde von ihren Gefühlen überrollt. Sie spürte seine Nähe und genoss seinen warmen Körper. Tief nahm sie seinen Geruch in sich auf und roch den dezenten Duft seines Aftershaves. Leas Fingerspitzen tasteten sein Gesicht ab. Fuhren über die schmale Nase und verharrten an dem kleinen Grübchen. Mit dem Fingernagel zog sie die Konturen seiner Lippen nach. Er hielt ganz still und sah sie einfach nur an.
Ohne es zu bemerken, liefen Lea Tränen über die Wangen. Er küsste sie sanft fort und dann trafen sich ihre Blicke. Lea versank in seinen Augen. Diese funkelnden, blauen Augen, unergründlich, unendlich tief, wie ein Bergsee.
Leas Herz raste. Unwillkürlich hielt sie die Luft an, als seine Lippen sich ganz sanft auf ihren Mund legten. Wie ein Hauch, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, so sanft. Leicht öffneten sich ihre Lippen und ihre Zungenspitzen trafen aufeinander. In Lea brannte ein Feuer und sie stöhnte leise auf. Wie von selbst schlangen sich ihre Arme um seinen Nacken und sie presste sich eng an ihn. Wie ertrinkende hielten sie sich umschlungen und genossen diesen Kuss. Ihre Zungen spielten ihr eigenes Spiel, einen heißen Tanz. Mal sanftes Stupsen, dann gieriges Umkreisen, mal zärtliches Knabbern, dann verlangendes Saugen.
Das Verlangen war geweckt. Die Sehnsucht, kaum zum aushalten. Alles in ihnen schrie nach Erfüllung, nach Erlösung.
Zu lange hatte Lea sich diesen Augenblick in ihrer Fantasie vorgestellt. Noch immer glaubte sie an einen Traum. Aber sie spürte seinen warmen Körper, seine Hände, seine weichen Lippen. Sie hörte seinen Atem, hörte seine zärtlichen Koseworte, ohne ihre Bedeutung zu verstehen. Lea war wie vernebelt, nichts drang mehr durch bis in ihre Gedanken. Sie war nur noch Lust, Verlangen, Leidenschaft. Ihr Verstand war ausgeschaltet, nur noch Gefühle, ihre Sinne. Sehen, fühlen, riechen, schmecken.
Leas Wangen waren gerötet, ihre Augen glänzten wie im Fieber. Ihre Haut brannte und sie war unfähig etwas zu sagen. Sie hielten sich fest umschlungen und immer wieder trafen sich ihre Lippen für verlangende, sehnsüchtige Küsse.
Sie erforschten ihre Mundhöhlen, tasteten die Zähne ab, spielten mit dem Speichel, die Zungenspitzen neckten sich, um dann in einem wilden Kuss zu ersticken. Atemlos sahen sie sich an, ehe ihre Lippen sich erneut trafen. Ein unendliches Spiel. Da hörten sie Schritte auf dem Flur...
Steve eilte in das Büro und tätschelte ihre Wangen.
"Lea", flüsterte er leise.
Verwirrt öffnete Lea die Augen. "Was ist passiert?" wollte sie wissen. Fragend sah sie ihren Mann an.
"Du bist bei der Begrüßung meines Chefs umgefallen", antwortete Steve.
Jetzt erinnerte Lea sich an ihren Traum und die Röte schoss ihr in die Wangen. Diese Stimme, hatte sie sich so getäuscht? Leas Gedanken überschlugen sich.
"Geht es ihnen wieder besser?", fragend sah Herr Wolf sie an.
Nichts, nicht die geringste Ähnlichkeit. Ungläubig schüttelte Lea den Kopf, aber dann riss sie sich zusammen.
"Bitte entschuldigen sie, es tut mir sehr leid." Freundlich sah sie Steves Chef an. Dann lächelte sie ihren Mann an. "Schatz, ich bin schwanger!", flüsterte sie leise.

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